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Diskussion um Lungenkrebs-Screening für Risikogruppen

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Primar Priv. Doz. Bernd Lamprecht
Primar Priv. Doz. Bernd Lamprecht

Lungenkrebs ist derzeit bei Männern die häufigste und bei Frauen die zweithäufigste Krebstodesursache. 2014 erkrankten in Österreich 2.700 Männer und 1.600 Frauen an Lungenkrebs, im Jahr 2030 werden es Hochrechnungen zufolge 2.900 Männer und 3.200 Frauen sein, die mit dieser Erkrankung neu diagnostiziert werden müssen.

Neben dem deutlichen Anstieg von Lungenkrebs bei Frauen, einem Umstand, der auf das Rauchverhalten in den letzten wenigen Jahrzehnten zurückgeführt werden kann, ist vor allem die ungünstige Prognose bzw. hohe Mortalität ein besonders problematisches Charakteristikum dieser Erkrankung. Zurückzuführen ist diese – trotz einer dynamischen Entwicklung im Bereich der Systemtherapie – insbesondere darauf, dass gut zwei Drittel der Erkrankungen leider erst im fortgeschrittenen Stadium III oder Stadium IV (mit Metastasierung) festgestellt werden.

Neben der offensichtlichen Dringlichkeit für verstärkte Maßnahmen zur Prävention – und damit in erster Linie zur Einschränkung des Risikofaktors Rauchen – gibt es seit mehreren Jahren eine Diskussion über ein mögliches Lungenkrebs-Screening mittels Computer-Tomographie (CT). Diese Diskussion begann im Wesentlichen mit dem National Lung Screening Trial im Jahr 2011, der in den USA an 50.000 Personen innerhalb einer Risikopopulation eine signifikante Mortalitätsreduktion durch jährliche CT-Screening-Untersuchungen im Vergleich zu jährlichen Thorax-Röntgen-Untersuchungen feststellen konnte.

Konkret konnte in dieser Studie eine 20-prozentige Reduktion der lungenkrebsspezifischen Mortalität gezeigt werden. Seit kurzem sind nun auch Daten des europäischen NELSON-Trials bekannt, der bei rund 16.000 Personen ebenfalls einen Vorteil für ein Screening mittels CT zeigen konnte und eine Mortalitätsreduktion über einen Beobachtungszeitraum von zehn Jahren im Ausmaß von 26 Prozent ergab.

Daher ist gegenwärtig eine intensive Diskussion darüber im Gange, ob auch in Europa ein CT-Screening für Personen mit erhöhtem Risiko für Lungenkrebs – vor allem für Raucher und Ex-Raucher ab 55 Jahren - umgesetzt werden soll und kann. Präzision und Erfolg eines solchen Projektes sind dabei sehr eng mit den gewählten Kriterien für eine Screening-Empfehlung verbunden und daher arbeiten aktuell SpezialistInnen der Fachrichtungen Lungenheilkunde, Onkologie und Radiologie im Rahmen einer Task Force an Empfehlungen, die die Grundlage für ein Screening-Programm darstellen können. Ein Pilotprojekt ist in Tirol in Vorbereitung und soll wertvolle Informationen über Praktikabilität und Ergebnisqualität liefern.

 

Primar Priv. Doz. Bernd Lamprecht ist Vorstand der Klinik für Lungenheilkunde am Kepler Universitätsklinikum Linz

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