Was Sie über ELGA wissen sollten

Die Elektronische Gesundheitsakte (ELGA) ist ein Informationssystem, das die Gesundheitsdaten von Patienten vernetzen soll. Gesundheitsdiensteanbieter, also in der Regel Ärzte, und die betroffenen Patienten selbst können unabhängig von Zeit und Ort darauf zugreifen. Das Gesetz zur ELGA wurde bereits beschlossen. Im Jahr 2015, so der aktuelle Plan, soll sie in Betrieb gehen. Die Ärztekammer hat ihre Skepsis gegenüber ELGA klar zum Ausdruck gebracht – einerseits wegen der enorm hohen Kosten, während in der eigentlichen Gesundheitsversorgung große Einsparungen drohen – andererseits wegen der Sorge, dass heikle Gesundheitsdaten nicht ausreichend gesichert sind.

Welche Daten werden in ELGA gespeichert?

Aktuell vorgesehen sind ...

  • Entlassungsbriefe von Krankenanstalten 
  • Befunde von FachärztInnen für Radiologie, Hygiene, Labormedizin und Pathologie 
  • Daten über verordnete und abgegebene Medikamente 
  • Patientenverfügungen 
  • Vorsorgevollmachten 
  • Daten aus Implantatregistern 

Weitere Befunde können dazu kommen, viele Details sind noch offen.

Wo und wie lange werden die Daten gespeichert?

Grundsätzlich werden die Daten zehn Jahre gespeichert, davon ausgenommen sind Medikationsdaten, die lediglich ein Jahr gespeichert werden dürfen. Der Großteil der Daten wird dezentral beim Ersteller gespei­chert und ELGA setzt einen Link dorthin, das heißt, sie sorgt nur für den elektronischen Pfad.

Bin ich als Patient verpflichtet, bei ELGA mitzumachen?

Nein – sie müssen dazu aber aktiv widersprechen („opt-out“). Geplant ist, dass PatientInnen Ihren Widerspruch ab Ende 2013 entweder online über die Internetseite des Gesundheits­ministeriums machen (gesundheit.gv.at) oder über spezielle Widerspruchsstellen, die aber vom Gesundheitsministerium erst eingerichtet werden müssen.

Kann ich verhindern, dass für mich heikle Daten in ELGA gespeichert werden bzw. sichtbar sind?

Ja. Es ist vorgesehen, dass Sie als PatientIn einzelne Daten ausblenden können. Sie werden dann für die anderen ELGA-Nutzer, also in der Regel Ärzte, unsichtbar. In der Praxis werden das viele PatientInnen vermutlich bei heiklen Inhalten machen, z.B. bei Suchterkrankungen, HIV-Infektionen, Schwangerschafts­abbrüchen und dergleichen. In so einem Fall hat Ihr Arzt aber diese Informationen auch dann nicht, wenn sie für Diagnose und Behandlung wichtig sein könnten. Wenn Sie gar nicht erst wollen, dass bestimmte Daten überhaupt gespeichert werden, so müssen Sie das Ihrem Arzt vor Ort (also im Spital / in der Ordination) ausdrücklich sagen oder Sie wenden sich hinterher an die Widerspruchsstelle, z.B. wenn Labor-Befunde erst nach Ihrem Arztbesuch fertig sind und in der ELGA gespeichert werden.

Sind ÄrztInnen verpflichtet mit ELGA zu arbeiten?

Grundsätzlich nicht, aber es gibt Ausnahmen: FachärztInnen für Radiologie, Hygiene, Labormedizin und Pathologie müssen ihre Befunde in ELGA stellen, das gilt auch für Wahlärzte. ÄrztInnen mit Kassenvertrag müssen die verschriebenen Medikamente eintragen, Apotheken die abgegebenen Medikamente („e-Medikation“). Wahlärzte müssen die e-Medikation der ELGA nicht verwenden. Inwiefern SpitalsärztIn­nen ELGA verwenden müssen entscheidet deren Dienstgeber.

Wie erhalten ÄrztInnen Zugriff zu meinen Daten und wie lange ist der Zugriff möglich?

Der Zugriff zu den ELGA-Daten erfolgt in der Regel durch die E-Card und zwar durch jene ÄrztInnen, bei denen der Patient aktuell in Be­handlung ist. Die ÄrztInnnen haben dann 28 Tage lang Zugriff, Apo­theken haben auf Gesundheitsdaten zwei Stunden Zugriff. Darüber hinaus kann ein Patient einen Arzt, einen Apotheker oder eine Einrichtung der Pflege zum „Gesundheitsdiensteanbieter seines Vertrau­ens“ machen (z.B. Hausarzt / Hausärztin). Dieser hat dann 365 Tage Zugriff auf die Daten (Regelung: § 18 Abs 6 ELGA-G).

Bringt ELGA Vorteile im medizinischen Notfall?

Im Notfall ist ELGA kaum einsetzbar, da man ja z.B. bei einem Unfall oder Herzinfarkt nicht zwangsläu­fig seine E-Card dabei hat. Außerdem kommt es in Notfällen oft auf Minuten an – da bleibt dem Arzt in der Regel keine Zeit, langwierig in der ELGA nach Informationen zu suchen.

Betrifft ELGA die ärztliche Schweigepflicht?

Die ärztliche Schweigepflicht bleibt aufrecht, allerdings kann Ihr Arzt für jene Daten, die er ins System ein­tragen muss, keine Schweigepflicht garantieren.

Welche ÄrztInnen dürfen ELGA nicht nutzen?

 

  • Amtsärzte 
  • Schulärzte 
  • Arbeitsmediziner 
  • Ärzte bei Versicherungen 
  • Chefärzte bei den Krankenkassen 

Haben ÄrztInnen aus dieser Gruppe jedoch zusätzlich eine eigene Ordination, können sie ELGA für ihre dortigen PatientInnen nutzen.

  • Infoblatt ELGA zum Download 
  • Widerspruchsrecht von ELGA

Mit 2. Jänner ging die elektronische Gesundheitsakte online. Eine Abmeldung davon ist möglich.

Achtung: Die Ärztekammer für OÖ ist NICHT für Abmeldungen von ELGA zuständig.

Alle Informationen zu ELGA und Ihrem Widerspruchsrecht erhalten Sie beim Bundesministerium für Gesundheit.
Online-Widerspruchsformular

Kostenloses Abo der human, dem Gesundheitsmagazin für Oberösterreich bestellen: Email mit Name und Adresse an human@aekooe.at
Zum Newsletter anmelden und wichtige Infos erhalten