Das Weblog von Ärztinnen und Ärzten aus Oberösterreich

Zusammenspiel von Defi und Herzdruckmassage rettet Leben

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OA Dr. Matthias Kölbl

Notruf absetzen, Herzdruckmassage beginnen und Defi einsetzen, so lautet die Rettungskette bei einem Herz-Kreislauf-Stillstand. All das soll innerhalb von wenigen Minuten erledigt sein. Rund 15.000 Menschen werden jährlich von einem plötzlichen Herztod aus dem Leben gerissen. Schnellstmögliche Ersthilfe kann Leben retten. Menschen, die an einem öffentlichen Platz mit Defi reanimiert werden, haben erwiesenermaßen eine höhere Überlebenschance als jene, die zu Hause einen Herz-Kreislauf-Stillstand erleiden. Daher ist ein flächendeckendes Netz an automatisierten externen Defibrillatoren (AED) zu befürworten. Kammerflimmern ist lebensbedrohlich und führt, wenn nicht unverzüglich behandelt, sehr rasch zu einer Sauerstoffunterversorgung wichtiger Organe und in der Folge zum Tod.

Schon nach drei Minuten ohne Behandlung können irreversible Gehirnschäden auftreten. Das Herz schlägt bei Kammerflimmern mit 300 bis 800 Schlägen pro Minute so schnell und unkontrolliert, dass ein ausreichender Blutauswurf aus dem Herzen nicht mehr gewährleistet werden kann. Pro Minute ohne Behandlung verschlechtern sich die Überlebenschancen um zehn Prozent. AED-Geräte geben Passanten via Display oder Stimme genaue Anweisungen, was zu tun ist. Keiner braucht mit den automatisierten Defibrillatoren Angst zu haben, etwas falsch zu machen. Die beste Überlebenschance hat der Patient bei einem schnellstmöglichen Zusammenspiel von Reanimation und Defibrillation:

  • Bei Anzeichen des Herz-Kreislaufstillstandes sofort mit der Herzdruckmassage beginnen
  • Automatischen externen Defibrillator aufklappen, einschalten und neben den Bewusstlosen legen
  • Sprachanweisungen oder Handlungsvorgaben auf dem Display folgen
  • Die zwei Klebeelektroden (Paddles) nach Anweisung auf nackter Haut anbringen
  • Gerät analysiert selbständig den Herzrhythmus und prüft, ob ein Elektroschock nötig ist
  • Betroffener darf in der Analysephase und bei Schockabgabe nicht berührt werden
  • Nur wenn der Elektroschock angezeigt ist, kann dieser durch Tastendruck erfolgen. Die Stromstärke beträgt je nach Gerät zwischen 150 bis 360 Joule. Wenn keine schockbare Arrhythmie festgestellt wird, kann auch kein Stromstoß ausgelöst werden. In diesem Fall gibt das Gerät Anleitung die sofortige Herzdruckmassage mit Beatmung im Verhältnis 30:2 für die nächsten zwei Minuten durchzuführen bis zur neuerlichen Rhythmusanalyse. Wer sich keine Beatmung zutraut, soll auf jeden Fall die Herzdruckmassage bis zum Eintreffen von Notarzt/Rettung fortführen.

Im Notarztwesen und im Krankenhaus wird bei der pulslosen ventrikulären Tachykardie, Kammerflimmern und Kammerflattern defibrilliert. Die Geräte dort verfügen über einen Monitor, auf dem zusätzlich zum laufenden EKG die Sauerstoffsättigung, Blutdruck und Herzfrequenz bzw. die Kapnographie abzulesen sind. Natürlich besteht im Spital auch die sofortige Möglichkeit ein 12-Kanal-EKG zu schreiben.

Der behandelnde Arzt kann, je nach Gerät, den asynchronen Schock manuell oder automatisch abgeben. Der Elektroschock entspricht sozusagen dem Reset-Knopf beim Computer. Alle Ströme im Herzen werden kurz gleichgeschaltet, um das Kammerflimmern zu beenden und zu bewirken, dass der Sinusknoten mit seinen regulären Impulsen anschließend wieder die Kontrolle über den Herzmuskel übernimmt und der Sinusrhythmus wiederhergestellt ist.

OA Dr. Matthias Kölbl leitet als Internist und Notfallmediziner die Notfallambulanz und Akutstation im Ordensklinikum Linz Elisabethinen

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