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Volkskrankheit Hallux valgus

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Prim. Dr. Vinzenz Auersperg

Zu enge Schuhe, ein Spreizfuß oder schwaches Bindegewebe sowie Übergewicht – all das sind Faktoren, welche die Bildung eines Hallux valgus (Großzehenballen) begünstigen. Dabei handelt es sich um eine Fehlstellung der großen Zehe. Sie kann das Gehen und Abrollen über die Fußsohle beeinträchtigen. Oft genügen Maßnahmen wie Physiotherapie, eine Hallux valgus-Schiene oder entsprechendes Schuhwerk, um die Beschwerden zu lindern. Bei stärkeren Beschwerden und entsprechender Fehlstellung kann eine dauerhafte Besserung nur durch eine Operation erreicht werden. Statistisch gesehen stellt der Hallux valgus die häufigste Art der Verformung bzw. Fehlstellung im Fußbereich dar, Frauen sind häufiger betroffen. Mitunter kann eine ausgeprägte Fehlstellung der Großzehen auch genetisch begünstigt sein.

Hallux valgus: Behandlung

Je nachdem, wie stark die Fehlstellung der großen Zehe ausgeprägt ist, kommen unterschiedliche Formen der Hallux-valgus-Therapie in Frage. Sie zielen darauf ab, vorhandene Schmerzen zu reduzieren, die Fehlstellung zu korrigieren oder deren Fortschreiten zu verhindern. Außerdem will man mit der Therapie die normale Funktionsfähigkeit von Fuß und Großzehe erhalten beziehungsweise wiederherstellen.

Nicht-operative Hallux-valgus-Behandlung

Bei manchen Patienten lässt sich die große Zehe noch aktiv (etwa mit Zehengymnastik) oder passiv (etwa mittels Schiene oder Einlagen) in ihre Normalstellung bringen. Dann wird der Hallux valgus konservativ (nicht-operativ) behandelt. Dabei sind verschiedene Therapieverfahren möglich, zum Beispiel:

Physiotherapie und Zehengymnastik: Bei Hallux valgus können Betroffene selbst aktiv werden: Regelmäßige Zehengymnastik ist in jedem Fall einen Versuch wert. Sie stärkt die Muskulatur und die Fuß-Sehnen. Dies ist vor allem bei schwach ausgeprägtem Hallux valgus sinnvoll, um zu verhindern, dass sich die Schiefstellung verstärkt. Als vorbeugende Maßnahme kann Zehengymnastik dafür sorgen, dass die Fehlstellung gar nicht erst entsteht. Wer regelmäßig über einen Tennis- oder einen sogenannten Igelball (Gummiball mit abgerundeten „Stacheln“) den Fuß rollt, lockert die intrinsische Fußmuskulatur, welche für den Erhalt des Fußquergewölbes wichtig ist. Auch Barfußlaufen kräftigt die oft verkümmerten Fußstrukturen. Letzteres sollten Sie am besten auf unebenem Grund wie Kies, Sand, Gras oder Rindenmulch tun. Dabei wird der Fuß mehr stimuliert als auf glattem Boden. Besonders Geschicklichkeitsübungen mit den Zehen helfen, die Muskulatur des Fußes zu stärken, beispielsweise das Greifen von Gegenständen (Bälle, Kügelchen, etc.).

Hallux-valgus-Schienen und -Bandagen: Eine Hallux-valgus-Schiene soll die große Zehe durch mechanischen Druck in Richtung der Fußinnenseite, weg von den anderen Zehen, drücken. Durch Anpassung von Muskeln und Sehnen kann so mit der Zeit die Fehlstellung der großen Zehe korrigiert werden. In der täglichen Praxis versprechen diese Schienen und Pölsterchen und anderen mechanischen Hilfen meist mehr als sie halten.
Eine Hallux-valgus-Bandagen haben keine harten Teile, sie helfen, die Großzehe zu zügeln. Am häufigsten verwendet werden die Bandagen nach Operationen, um beispielsweise die neue Stellung der Großzehe während der Heilungsdauer zu schützen.

Operative Hallux-valgus-Behandlung

Wirken die konservativen Methoden nicht oder sind die Schmerzen zu stark, kommt beim Hallux valgus auch ein chirurgischer Eingriff in Frage. Es gibt unzählige Variationen der Hallux-valgus-OP. Allerdings wird davon bei uns nur ungefähr eine Handvoll tatsächlich regelmäßig durchgeführt.

Die verschiedenen OP-Verfahren folgen meist einem ähnlichen Grundprinzip. Ihr Ziel ist es, die normalen anatomischen Verhältnisse durch Korrektur der Achsen einzelner Knochen und Gelenke bestmöglich wiederherzustellen. So sollen der Fuß und die Großzehe wieder normal „funktionieren“ und die Schmerzen verschwinden oder zumindest nachlassen.

Es hängt immer von der individuellen Ausgangslage ab, welches Operationsziel mit einer Hallux-OP möglich ist. Bei leichten bis mittelschweren Hallux-valgus-Fehlstellungen lässt sich meist ein sehr gutes Resultat erreichen. Das heißt, der Patient ist (und bleibt) schmerzfrei und die große Zehe in Normalposition.

Wie läuft die Hallux-valgus-OP ab?

Um die Operation gut planen zu können, sind die ärztliche Untersuchung und Röntgenbilder des Fußes sehr wichtig. Trotzdem geben diese dem Arzt nur eine grobe Orientierung. Er kann meist erst während des Eingriffs die Situation genau einschätzen, etwa den Zustand des Knorpels im Großzehengrundgelenk. Deshalb entscheidet er sich oft erst kurzfristig für eine bestimmte OP-Methode.

Grundsätzlich läuft eine Hallux-valgus-OP grob wie folgt ab:

  • Der Arzt löst das Zehengrundgelenk der großen Zehe aus der zusammengezogenen Gelenkkapsel und befreit es von Sehnen, um es beweglich zu machen. Er trägt die typische Schwellung oberhalb des Großzehengrundgelenks (Pseudoexostose) ab.
  • Der Mittelfußknochen wird durchtrennt (Osteotomie) und in Richtung der anderen Zehen verschoben. Dies korrigiert die Hauptursache des Hallux valgus: den zu großen Winkel zwischen den ersten beiden Mittelfußknochen.
  • Der Mittelfußknochen wird häufig mittels winziger Schrauben fixiert. In der Regel bleiben diese dauerhaft im Knochen (sie bereiten meist keinerlei Probleme).
  • Abschließend verschließt man Gelenkkapsel und Gewebeschichten und es wird ein Verband mit einer Zügelung der Großzehe angelegt, damit die Wunde und die Knochen und Weichteile in der idealen Position verheilen können.

Ein guter Zeitpunkt für die Operation ist dann gegeben, wenn noch keine Abnützung im Großzehengrundgelenk besteht. In diesen Fällen wird durch die Korrektur der Fehlstellung wieder eine gute Funktion des Großzehengrundgelenks erreicht und ein normales Gangbild kann sich entwickeln.

Prim. Dr. Vinzenz Auersperg ist Abteilungsleiter der beiden Abteilungen für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie im Pyhrn-Eisenwurzen Klinikum in Kirchdorf und in Steyr.

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