Das Weblog von Ärztinnen und Ärzten aus Oberösterreich

Schwerhörigkeit macht einsam

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Primar Univ. Prof. Dr. Martin Burian

Wie funktioniert das Hören? Klangwellen rollen an die Ohrmuschel heran und bringen das Trommelfell zum Schwingen, welches Hammer, Amboss und Steigbügel bewegt. Diese drei Knochen pressen Flüssigkeit im Innenohr gegen Membranen, die Haarzellen stimulieren, welche die mechanische Energie der Schallwellen in elektrische Energie umwandeln. Diese Impulse werden über den Hörnerv in das Gehirn zu den Hörzentren weitergeleitet.

Durch Abnützungserscheinungen, Stoffwechselstörungen oder genetische Einflüsse nimmt die Anzahl der Haarzellen im Innenohr mit steigendem Alter ab. Das ist der Grund für die Abnahme des Hörvermögens bis hin zur Innenohrtaubheit. Mit 70 Jahren hören nur mehr etwa 65 Prozent der Bevölkerung uneingeschränkt. Hörtests und ein Sprachaudiogramm geben Aufschluss über das Hörvermögen.
Viele Hörbeeinträchtigte können aber mit einem Hörgerät gut versorgt werden. Man unterscheidet Hinter-dem-Ohr-Geräte, Im-Ohr-Geräte, Hörbrillen und Knochenleitungshörgeräte. Wenn möglich sollen beide Ohren mit einem Gerät versorgt werden, das vom Hör-Akustiker angepasst wird. Es dauert bis zu drei Monate, dass man sich an das Hörgerät gewöhnt. Vorteile der Hörhilfe: Kaum Einbußen in der Kommunikation, längere Selbstständigkeit des Betroffenen, Steigerung der Lebensqualität, geistige Leistungsfähigkeit und das Sozialleben können aufrecht erhalten werden. Schwerhörige schämen sich oft, weil sie sich an der Kommunikation nicht mehr so beteiligen können, wie sie gerne möchten. Das kann zur Vereinsamung führen.
In Fällen der Innenohrtaubheit kann kein Hörgerät sondern nur mehr das sogenannte künstliche Ohr (Cochlearimplantat) helfen. Durch das Implantat wird die Schallschwingung direkt in elektrische Energie umgewandelt, welche durch eine Elektrode in der Hörschnecke an den Hörnerven weitergeleitet wird.

Primar Univ. Prof. Dr. Martin Burian leitet die HNO-Abteilung im Krankenhaus der Barmherzigen Schwestern Linz.

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