Das Weblog von Ärztinnen und Ärzten aus Oberösterreich

Schmerzgedächtnis

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Primar Dr. Michael Bach

Schmerzen sind ein Warnsignal für den Körper. Sie machen uns auf eine Krankheit aufmerksam oder veranlassen uns z.B. einen angeschlagenen Körperteil vorübergehend zu schonen. Eine wichtige Rolle spielt dabei das Schmerzgedächtnis: Bestimmte Nervenzellen im Rückenmark leiten Schmerzsignale, die aus dem ganzen Körper eintreffen, ans Gehirn weiter. Diese Zellen sind äußerst lernfähig und können sich starke und anhaltende Schmerzen "merken". Problematisch wird es dann, wenn die Überempfindlichkeit weiter besteht, obwohl das auslösende Ereignis gar nicht mehr vorhanden ist – wenn also z.B. die Wunde oder die Entzündung ausgeheilt ist. In diesem Fall wird der Schmerz zu einer eigenständigen Krankheit. Schmerzmittel bringen vorübergehend Erleichterung und erlauben dem Patienten etwa, Bewegungen, die sonst weh tun, ohne Schmerzen auszuführen. Dadurch kann das Gehirn die Schmerzfreiheit neu "erlernen". Dieser Prozess spielt sich auch auf einer psychischen Ebene ab und es ist wichtig, dass der Patient im Rahmen einer Psychotherapie oder klinisch-psychologischen Behandlung aktiv daran mitarbeitet. Schmerztabletten sind keine Dauerlösung: Bei langfristiger Einnahme kann die Wirkung nachlassen und die Nebenwirkungen können überwiegen.

Primar Dr. Michael Bach ist Schmerzspezialist und leitender Psychiachter im Krankenhaus Steyr.

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