Das Weblog von Ärztinnen und Ärzten aus Oberösterreich

Schlafwandelnde Kinder nicht wecken, nur schützen

OÄ Dr. Regina Pflügl

Auch wenn das Schlafwandeln Eltern ängstigen kann, gehört es, genauso wie der Nachtschreck, zu den harmlosen Aufwachstörungen von Kindern. Wer weiß, dass sein Kind ab und zu „nachtaktiv“ ist, muss besondere Sicherheitsvorkehrungen treffen, um das Kind vor Verletzungen und Unfällen zu schützen. Fenster, Wohnungs-und Balkontüren sowie Treppen sichern. Hilfreich kann es sein, an der Kinderzimmertür ein Glöckchen zu befestigen, das die Eltern weckt, wenn das Kind „auswandert“.

Den Schlafwandler nicht aufwecken, nur sanft zurück ins Bett geleiten. Darauf gefasst sein, dass sich Schlafwandler wehren, wenn man sie unsanft aufhalten will. Fünf bis 20 Prozent der Kinder zwischen fünf und zwölf Jahren schlafwandeln ganz selten, etwa fünf Prozent häufiger. In den meisten Fällen verliert sich dieses Ereignis bis zur Pubertät. Die Ursache des Schlafwandelns (=Somnambulismus) ist nicht bekannt. Man vermutet, dass es mit der Entwicklung des Gehirns zusammenhängt. Eine genetische Disposition gilt als gesichert. Unregelmäßige Schlafenszeiten, Schlafmangel, Stress, eine Erkrankung mir Fieber, nächtlicher Lärm sowie die obstruktive Schlafapnoe gelten als Risiko- beziehungsweise verstärkende Faktoren.

Das Schlafwandeln passiert im ersten Drittel der Nacht aus dem Tiefschlaf heraus. Wenn das Kind unter ausgeprägter Tagesmüdigkeit leidet, es aggressiv um sich schlägt und Selbstverletzung droht oder das Ereignis fast jede Nacht auftritt, einen Arzt konsultieren. Es könnte eine schlafgebundene Epilepsie dahinter stecken.

Schlafwandeln gehört wie der Nachtschreck zu den kindlichen Parasomnien, wie Ereignisse heißen, die im Schlaf oder aus dem Schlaf heraus getätigt werden. Nachtschreck (=Pavor nocturnus) und Schlafwandeln können alleine oder kombiniert auftreten. Der Nachtschreck ist bei Kleinkindern bis zum Schulalter nichts Ungewöhnliches. Grund ist ein unvollständiges Aufwachen, das zu einem Verwirrtheitszustand führt. Das Kind schreit vielleicht plötzlich panisch auf, weint und kann wild um sich schlagen. Es hat die Augen weit offen, ist aber nicht ansprechbar, beruhigt sich meist nach einigen Minuten und schläft ruhig wieder ein. In der Früh weiß das Kind nichts mehr davon. In der Regel verschwinden Nachtschreck-Attacken von selbst wieder, wenn die Reifung des Gehirns voranschreitet.  

OÄ Dr. Regina Pflügl ist Fachärztin für Kinder und Jugendheilkunde im Ordensklinikum Linz der Barmherzigen Schwestern.

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