Das Weblog von Ärztinnen und Ärzten aus Oberösterreich

Programm „Therapie Aktiv – Diabetes im Griff“ soll Folgeschäden verhindern

Chronisch Kranke wie etwa Patienten mit Diabetes mellitus Typ 2 benötigen eine strukturierte ärztliche Langzeitbetreuung nach dem neuesten Stand der Wissenschaft. Zu diesem Ziel wurde vor einigen Jahren das Disease Management Programm (DMP) „Therapie Aktiv – Diabetes im Griff“ entwickelt. Ziel ist es, die Diabetiker vom Typ 2 möglichst früh in eine Langzeitbetreuung einzuschließen, um die Entstehung von Folgeschäden möglichst zu verhindern oder zumindest hinauszuschieben. Neben einer integrierten und individuell ausgerichteten Betreuung und Behandlung sind Selbstbestimmung und Selbstmanagement wesentlich.

Die optimale bedürfnisorientierte Begleitung wird von einem speziell geschulten Allgemeinmediziner oder Internisten durchgeführt. Bitte fragen Sie Ihren Hausarzt, ob er „Therapie-Aktiv“ anbietet (Mehr Info unter: www.therapie-aktiv.at). Am Beginn steht idealerweise eine Diabetesschulung in einer Diabetesambulanz im Krankenhaus oder in der Praxis eines geschulten Arztes. Die Teilnehmer erhalten kostenfrei ein PatientInnenhandbuch und andere informative Unterlagen von der Krankenkasse. Über die Therapie-aktiv-Homepage kann man auch eine online-Schulung absolvieren.

Bei der Aufnahme in das Betreuungsprogramm wird eine ausführliche Anamnese erhoben und es erfolgt eine Erstuntersuchung zur Feststellung des Status quo. In weiterer Folge werden alle drei Monate Kontrolluntersuchungen durchgeführt, wobei einmal pro Jahr eine ausführlichere Begutachtung erfolgt, die auch eine entsprechende Untersuchung der Füße und Augen einschließt. Alle Untersuchungsergebnisse werden dokumentiert. Im Beratungsgespräch werden anhand der erhobenen Befunde mit dem Patienten gemeinsam Zielwerte etwa für HbA1c (Langzeitzuckerwert), Blutdruck, Cholesterin oder Körpergewicht festgelegt, die in den nächsten drei Monaten erreicht werden sollten. Diese Zielvereinbarungen werden im Diabetes-Pass festgehalten. Durch gesunde Ernährung, ausreichend Bewegung und selbstständige Blutzuckermessungen kann die Teilnehmerin/der Teilnehmer „aktiv“ den Behandlungserfolg beeinflussen.

Der betreuende Arzt benötigt zur optimalen Umsetzung ein Netzwerk mit Diabetologen, Augenärzten, Dermatologen sowie DGKPs, Diätologinnen, Fußpflegern, Apothekern, Selbsthilfeorganisationen und stationären Einrichtungen.

Der Erfolg von „Therapie Aktiv“ ist mittlerweile in einer wissenschaftlichen Evaluierung des Hauptverbandes der SV-Träger (2018) bestätigt: Die Sterblichkeit, Zahl der Schlaganfälle und Herzinfarkte sowie die Gesamtkosten konnten deutlich gesenkt werden.

Angestrebt werden weitere Disease Management Programme etwa für COPD-Kranke und PatientInnen mit Herzinsuffizienz. Ein DMP, ein Pilotprojekt für Herzinsuffizienz-Patienten aus Oberösterreich, wird derzeit evaluiert.

Dr. Erwin Rebhandl ist Arzt für Allgemeinmedizin (Geriatrie) im Gesundheitszentrum Haslach, Präsident der OBGAM – OÖ. Gesellschaft für Allgemein- und Familienmedizin, Univ. Lektor und Modulbeauftragter für AM an der med. Fakultät der JKU Linz

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