Das Weblog von Ärztinnen und Ärzten aus Oberösterreich

Patienten mit Reizdarmsyndrom ernst nehmen und individuell behandeln

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Dr. Evelyn Ramsböck

Verdauungsstörungen mit Durchfall, Blähungen, Verstopfung oder einem Wechsel zwischen Verstopfung und Durchfall, sowie mit Schmerzen im Bauchraum und dem Gefühl der unvollständigen Darmentleerung können, wenn sie über ein halbes Jahr hindurch regelmäßig immer wieder auftreten, auf ein Reizdarmsyndrom (RDS) hinweisen. Die Ursache der Funktionsstörung ist unbekannt, behandelt wird nach den Symptomen. Die Prognose richtet sich nach der Dauer der Beschwerden und den Lebensbedingungen des Betroffenen, vor allem wieviel Stress er empfindet. Das RDS hat eine starke psychosomatische Komponente und kann sich von selbst zurückbilden oder chronisch verlaufen.

Betroffen sind mehr Frauen als Männer, meist im erwerbsfähigen Alter. Je nachdem wie man das RDS definiert sind rund 3 bis 27 % der Bevölkerung in Europa betroffen. Zur Diagnose werden Urin- und Blutproben genommen, um gefährliche Magen-Darmerkrankungen ausschließen zu können. Eine Ultraschalluntersuchung, Magen- und/oder Darmspiegelung können helfen, organische Ursachen auszuschließen. Oftmals haben die Betroffenen schon eine Ärzterallye hinter sich. Wichtig ist, dass man die Patienten mit ihrem Leiden ernst nimmt, weil ihre Lebensqualität vielfach unter der Störung stark leidet.

Als Auslöser des Reizdarmsyndroms werden Dauerstress, Darminfekte, Ernährung oder eine gestörte Darmflora in Kombination mit einer genetischen Veranlagung diskutiert. Die gute Nachricht ist, dass es keine Studien gibt, die zeigen, dass das RDS das Risiko für Darmkrebs oder eine chronisch entzündliche Darmerkrankung erhöht. Öfter besteht gleichzeitig mit dem RDS eine Depression oder Angststörung. Auch eine Nahrungsmittelunverträglichkeit wird in vielen Fällen nachgewiesen.

Da es nicht „die eine“ Ursache gibt, kann man auch nicht „die eine“ Therapie für alle Betroffenen verordnen. Je nachdem welche Symptomatik vorhanden ist, kann man das RDS mit Medikamenten wie Abführmittel mit Lactulose, Quellmittel, Antidepressiva, Prä- und Probiotika sowie krampflösenden Schmerzmitteln behandeln. Kleinere Studien liegen vor, die den Erfolg von Hypnosetherapie bei Reizdarm bestätigen. Wertvoll können Entspannungstechniken wie etwa Autogenes Training oder Yoga sein. Das Führen eines Ernährungstagebuches kann helfen, Nahrungsmittel herauszufiltern, die die Beschwerden verstärken bzw. auslösen. Die Vermeidung von Stress bzw. das Verbessern des Stressmanagements ist in den meisten Fällen hilfreich.

Dr. Evelyn Ramsböck ist Internistin am Klinikum in Rohrbach und hat eine Wahlarztpraxis für Innere Medizin in Wilhering.

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