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Neue zielgerichtete Therapie beim Hodgkin-Lymphom

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Univ. Doz. Dr. Michael A. Fridrik

Das Hodgkin-Lymphom ist eine seltene, bösartige Lymphdrüsenerkrankung, an der jährlich zwei bis drei Personen von 100.000 – häufig um das 30. Lebensjahr – erkranken. Charakteristisch sind schmerzlose derbe Lymphdrüsenvergrößerungen meist am Hals oder zwischen den Lungenflügeln. Im Gegensatz zu gutartigen Lymphdrüsenerkrankungen sind diese meist mehr als 1,5 Zentimeter groß und wachsen im Lauf von Monaten. Die Diagnose liefert die mikroskopische Untersuchung eines entfernten Lymphknotens. Durch eine Kombination von Chemotherapie und Bestrahlung werden fast alle jüngeren Patientinnen und Patienten im frühen Stadium geheilt. Schwierig ist die Behandlung von älteren Personen. Wenn die Standardtherapie nicht erfolgreich ist oder eingesetzt werden kann, gibt es neue nebenwirkungsarme Medikamente, die das Immunsystem in die Behandlung mit einbeziehen. Eines dieser Mittel, der monoklonale Antikörper (Bentuximab) erkennt die Hodgkin-Zellen durch einen Marker auf deren Oberfläche, der CD30 genannt wurde. Der Antikörper wird infundiert und findet die Hodgkin-Zellen im ganzen Körper. An den Antikörper wird ein starkes Zellgift gebunden, das frei wird, wenn die Hodgkin-Zelle den Antikörper aufnimmt. So werden Hodgkin-Zellen selektiv zerstört. Ein anderes Therapieprinzip aktiviert die körpereigene Abwehr, die so genannten T-Zellen, die körperfremdes Gewebe, Viren und Krebszellen erkennen. Manche dieser Krebszellen haben aber gelernt, wie man die Aktivität der T-Zellen bremsen kann. Mit so genannten Checkpoint-Inhibitoren gelingt es, diese Bremse wieder zu lösen und die T-Zellen nehmen den Kampf gegen die Krebszellen wieder auf. Für viele bösartige Erkrankungen, etwa beim Hodgkin-Lymphom und beim Lungenkrebs, werden die Checkpoint-Inhibitoren schon erfolgreich eingesetzt oder in Studien geprüft. Ein neues Zeitalter in der Behandlung von Krebs hat eingesetzt. Neben der Chirurgie, Chemotherapie, der endokrinen Therapie und der Strahlentherapie haben wir die Immuntherapie als wichtige Ergänzung.  

Univ. Doz. Dr. Michael A. Fridrik ist Vorstand der Klinik für Hämatologie und Onkologie (Interne 3), Kepler Universitätsklinikum, Med Campus III.

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