Das Weblog von Ärztinnen und Ärzten aus Oberösterreich

Keine Angst vor der sanften Koloskopie

OA Dr. Axel Hiebinger

Dickdarmkrebs ist eine der häufigsten Krebserkrankungen bei Frauen und Männern. Ab dem 40. Lebensjahr steigt das Risiko. Über 90 Prozent aller Darmkrebserkrankungen entstehen durch die Entartung von Polypen. Die wirksamste Vermeidung von Darmkrebs ist die Entfernung von Darmpolypen im Rahmen einer Koloskopie. Deren Entfernung ist Diagnose, Therapie und Krebsvorsorge in einem. Die erste Koloskopie sollte mit dem 50. Lebensjahr passieren. Risikofaktor für Dickdarmkrebs ist eine positive Familienanamnese, das heißt, wenn zum Beispiel die die Eltern oder Großeltern an diesem Karzinom erkrankt sind/waren. Hier ist eine vorzeitige Vorsorgekoloskopie angezeigt. Als Faustregel dafür gilt: zehn Jahre vor dem Alter der Krebserstdiagnose des Verwandten. Ab dem 40. Lebensjahr kann man jährlich beim Hausarzt einen Stuhltest auf okkultes Blut machen. Blut am Stuhl sollte grundsätzlich abgeklärt werden, auch wenn Hämorrhoiden hierbei die häufigste Ursache sind. Auch plötzliche Veränderung der Stuhlgewohnheiten, eine Blutarmut oder ungewollter Gewichtsverlust sind Gründe für eine vorzeitige Koloskopie. Weil manche immer noch glauben, dass die Koloskopie sehr unangenehm ist, meiden sie diese Untersuchung. Um unangenehme Erfahrungen beziehungsweise Schmerzen zu vermeiden, gibt es die Möglichkeit der sanften Koloskopie/Endoskopie. Die Sedierungsspritze mit Propofol vor der Koloskopie hat eine kurze Halbwertszeit und lässt den Patienten in einen tiefen Schlafzustand fallen, der von den meisten als sehr angenehm beschrieben wird. Auch die Darmvorbereitung hat sich für die Patienten deutlich verbessert beziehungsweise vereinfacht. Früher musste man fünf Liter einer Trinklösung zu sich nehmen, die alles andere als gut schmeckte. Heute sind nur noch zwei kleine Becher der eigentlichen Vorbereitung zu trinken, geschmacklich wie ein „Zitronenkracherl“, den Rest der Flüssigkeit (jeweils ein Liter) kann der Patient frei aus Wasser, Säften, Tee, klarer Suppe etc. wählen. Nach dieser sanften Art der Darmspiegelung höre ich von vielen Patienten: „Wenn ich gewusst hätte, wie problemlos das geht, wäre ich schon früher gekommen.“

OA Dr. Axel Hiebinger ist Internist in der Klinik Interne 2 im Kepler Universitätsklinikum Linz, wo er als Spezialist für Endoskopie die Ambulanz für chronisch entzündliche Darmerkrankungen leitet. Er betreibt auch eine Wahlarztpraxis in Linz.

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