Das Weblog von Ärztinnen und Ärzten aus Oberösterreich

Ein Viertel der Sportverletzungen betreffen das Knie

OA Dr. Andreas Kastner

Das Kniegelenk ist in vielerlei Hinsicht ein besonders gefährdetes Gelenk. Aufgrund der fehlenden knöchernen Führung ist es auf seine Haltebänder angewiesen, die ihm neben der aktiven Stabilisierung durch die Muskulatur die erforderliche passive Stabilität geben. Etwa 25 Prozent der Verletzungen beim Sport betreffen behandlungsnotwendige Knieverletzung, wobei bei Männern Fußball und Schifahren, bei Frauen Handball und Volleyball die häufigsten Ursachen darstellen. Etwa 30 Prozent aller Kniegelenksverletzungen sind Kreuzbandläsionen. Das vordere Kreuzband ist etwa zehnmal so häufig betroffen wie das hintere. Kombinationsverletzungen von Kreuzband-Rupturen mit Verletzungen von Knorpel, Bändern und Menisken sind häufig. Viele Betroffene geben ein Schnappen oder Reißen im Kniegelenk an. Die Diagnose wird klinisch zum Beispiel mit dem vorderen Schubladentest gestellt. Röntgen und Magnetresonanztomographie zeigen Frakturen beziehungsweise die Kniebinnenstrukturen. Bei einem länger zurückliegenden Trauma kann der Patient über ein Instabilitätsgefühl im betroffenen Gelenk oder ein plötzliches Nachgeben desselben berichten. Die Instabilität begünstigt das Auftreten sekundärer Meniskus- und Knorpelschäden und führt bei einem Teil der Patienten zu einer posttraumatischen Arthrose. Die Indikation zur operativen Stabilisierung ist sehr individuell zu stellen. Eine passive oder aktive Instabilität des Kniegelenks ist eine OP-Indikation zum vorderen Kreuzband-Ersatz, insbesondere bei Vorliegen anderer Bandverletzungen. Auch der Patientenwunsch nach intensiver Ausübung von Ballspielsportarten, Tennis, Squash und anderer kniebelastender Sparten ist ein Kriterium für ein operatives Therapieverfahren. Aus Erfahrung, Studien und Fachliteratur zeigt sich, dass auch bei ausgewählten, nicht operierten Patienten nach etwa drei Monaten mit funktionell-konservativer Therapie wieder ein stabiles Kniegelenk erreicht werden kann. 

OA Dr. Andreas Kastner ist Facharzt für Unfallchirurgie und Sporttraumatologie im Kepler Universitätsklinikum, Med Campus III (AKH) mit Wahlarztpraxis in Linz

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