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Die Funktion der Schilddrüse ist bei Kinderwunsch besonders bedeutsam

Prim. Univ.-Prof. Mag. Dr. Michael Gabriel

Die Schilddrüse bzw. das Schilddrüsenhormon sind wesentlich in der frühkindlichen Entwicklung im Mutterleib bzw. auch nach der Geburt. Das Schilddrüsenhormon ist bedeutsam für die psychomotorische Entwicklung, für die Stimulation wichtiger Stoffwechselwege des Knochenstoffwechsels, der Thermogenese und für des Wachstums.

Im Unterschied zu anderen Lebensphasen ist eine ausreichende Versorgung mit Schilddrüsenhormon gerade bei Kinderwunsch von sehr hoher Relevanz. Besonders bei unerfülltem Kinderwunsch ist ein Fokus auf die Schilddrüse zu richten. Dabei stellt sich der TSH-Wert (übergeordnetes Steuerungshormon der Schilddrüse, welches von der Hirnanhangdrüse ausgeschüttet wird) als ein besonders wichtiger Parameter im Blut dar, welcher Auskunft über die Versorgung mit Schilddrüsenhormon gibt. Ist dieser Wert etwas erhöht, was für eine Unterfunktion spricht, so wird bei Kinderwunschpatienten relativ großzügig Schilddrüsenhormon verordnet. Einige Studien darauf hin, dass ein entsprechender Ersatz von Schilddrüsenhormon bei Patientinnen mit einer Unterfunktion eine geringere Rate an Fehlgeburten sowie Frühgeburten aufweist.

Die Unterfunktion kann durch eine Autoimmunerkrankung, die Hashimoto Thyreoiditis, verursacht sein. Auch eine Überfunktion kann durch eine Autoimmunerkrankung der Schilddrüse, den Morbus Basedow, hervorgerufen werden. Hierbei werden Antikörper gebildet, welche die Schilddrüse stimulieren. Diese Autoantikörper können auch die Plazenta überschreiten und die Schilddrüse des ungeborenen Kindes stimulieren, was eine potentielle Gefahr darstellt. Ist eine Autoimmunhyperthyreose bereits vor der Schwangerschaft bekannt, soll zuerst diese Fehlfunktion beseitigt und danach eine mögliche Kinderwunschbehandlung in Angriff genommen werden. Es kann angeraten sein, das kranke Organ operativ zu entfernen. Die nach der OP erfolgte Unterfunktion ist durch die Einnahme eines Schilddrüsenhormons wesentlich besser steuerbar.

Bei Schwangerschaft regelmäßige Kontrolle

Das Vorgehen bei Kinderwunschpatientinnen sollte jedenfalls individuell gemeinsam mit der Kinderwunschklinik abgestimmt werden. Wird die Frau schwanger, muss in etwa 4-wöchigen Abständen das Schilddrüsenhormon kontrolliert werden, da während der Schwangerschaft der Schilddrüsenhormonbedarf deutlich ansteigt.

Folgende Frauen sollten bei Kinderwunsch im Speziellen vonseiten der Schilddrüsenfunktion abgeklärt werden:

  • über 30
  • mit einer familiären Vorgeschichte in Bezug auf eine Autoimmunthyreopathie
  • mit einer Struma (Kropf)
  • mit erhöhten Autoantikörpern gegen die Schilddrüse
  • mit Symptomen, welche auf eine Schilddrüsenunterfunktion hinweisen
  • mit Typ 1-Diabetes oder sonstigen Autoimmunerkrankungen • mit Unfruchtbarkeit
  • mit Fehlgeburt
  • die früher im Hals-/Nackenbereich bestrahlt worden sind (z.B. im Rahmen einer Lymphombehandlung) oder welche einer Schilddrüsenchirurgie unterzogen worden sind
  • die Schilddrüsenhormon einnehmen

Prim. Univ.-Prof. Mag. Dr. Michael Gabriel ist Vorstand des Instituts für Nuklearmedizin und Endokrinologie am Kepler Universitätsklinikum Linz

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