Das Weblog von Ärztinnen und Ärzten aus Oberösterreich

Diabetes schädigt die Gefäße der Netzhaut

Primar Dr. Ali Abri

Die Erkrankungen der Netzhaut tun nicht weh, weil sie keine Schmerzfasern besitzt. Deshalb sollten Veränderungen der Sehqualität immer augenärztlich abgeklärt werden. Diabetes schädigt auf Dauer die Gefäße, auch die Blutgefäße der Netzhaut. 25 bis 35 Prozent der Diabetiker leiden an einer zuckerbedingten Augenerkrankung. Sollte jemand vor dem 65. Lebensjahr erblinden, ist die diabetische Retinopathie die häufigste Ursache dafür. Man unterscheidet verschiedene Stadien und Arten von Gefäßproblemen bei Diabetikern:

  • Nicht proliferative Retinopathie: Durch die Schädigung der Gefäßwände kommt es zu Ausbuchtungen, sogenannten Mikroaneurysmen der Wände. Platzen kleine Äderchen sieht man in der Netzhaut punktförmige Einblutungen. Nicht proliferativ heißt, dass noch keine neugebildeten Blutgefäße wachsen. Oft zeigen sich in diesem Stadium noch kaum Sehstörungen. Wenn doch können sie durch Laserkoagulation (Veröden der Gefäße) gut behandelt werden.        
  • Proliferative Retinopathie: Unbehandelt schreitet die Erkrankung fort und kann zu einer Unterversorgung des Auges mit Sauerstoff führen. Das regt das Wachstum neuer Blutgefäße an, die auch in den Glaskörper hineinwachsen können. Sie platzen leicht und es kommt zu Einblutungen in den Glaskörper. Man sieht dann alles wie durch einen Schleier verschwommen. Auch Netzhautablösungen können folgen. Um die Komplikation des Makulaödems, der Flüssigkeitsansammlung, zu verhindern, ist eine Laserkoagulation und/oder regelmäßiges Spritzen bestimmter Wirkstoffe, so genannter anti-VEGF-Medikamente, in die Augen erforderlich. In bestimmten Fällen kann auch ein Stäbchen mit Langzeitcortison im Auge implantiert werden, welches die Gefäßneubildung für fünf Monate unterbinden soll.  Unter regelmäßiger internistischer und augenärztlicher Kontrolle sowie optimaler Einstellung des Zuckerwertes führt die Erkrankung bei Diabetikern selten zu schwerwiegenden Seheinschränkungen.

Primar Dr. Ali Abri leitet die Augenabteilung im Klinikum Wels-Grieskirchen. 

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