Das Weblog von Ärztinnen und Ärzten aus Oberösterreich

Bergwandern trotz chronischer Krankheit

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Dr. Bernhard Haberfellner

Herzprobleme können in der Höhe plötzlich akut werden. So kann z.B. eine Herz-Insuffizienz, die im Flachland medikamentös gut unter Kontrolle ist, in der Höhe schlagartig dekompensieren. Das heißt, es treten Symptome wie Wasseransammlungen oder Luftnot auf. Die ersten drei Tage sind hier besonders riskant. Auch eine Atem-Insuffizienz kann sich im Hochgebirge drastisch verschlechtern. Patienten mit bestimmten Bluterkrankungen (z.B. Sichelzellanämie) sollten Höhenlagen grundsätzlich vermeiden, weil die Höhenexposition Sichelzellkrisen auslösen kann. Bei Krankheiten, wie Diabetes mellitus ist eine regelmäßige Blutzuckerkontrolle essenziell. Aber Vorsicht: viele Blutzuckermessgeräte funktionieren in großer Höhe nicht mehr! Ebenso sollten die Bergkameraden eine Hypoglykämie, also eine gefährliche Unterzuckerung, erkennen können. Auch über eine Epilepsie sollten Begleitpersonen Bescheid wissen, damit sie richtig handeln, sollte es zu einem Anfall kommen. Eine Krankheit, die sich im Hochgebirge bessern kann, ist allergisches Asthma. Grundsätzlich gilt: Bergwanderer mit chronischen Erkrankungen sollten sich vorab von ihrem Arzt / ihrer Ärztin (idealerweise mit höhenmedizinischer Ausbildung) beraten lassen, nicht allein unterwegs sein, ihre Tour sorgfältig planen und ihrem Gesundheitszustand anpassen. Auch Szenarien für den Notfall sollte man sich vorab überlegen, etwa hinsichtlich Evakuierung, Krankenversicherung etc.

Dr. Bernhard Haberfellner, Allgemein- und Höhenmediziner mit einer Praxis in Linz.

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