Das Weblog von Ärztinnen und Ärzten aus Oberösterreich

Bedeutung postoperativer chirurgischer Infektionen

Univ.-Prof. Prim. Dr. Reinhold Függer

In Österreich haben wir keinen Grund zur Sorge, dennoch sind Komplikationen durch postoperative Infektionen nicht zu unterschätzen. Schlimmstenfalls können sie zum Tod führen. Bei 20 Prozent der Patienten, die auf chirurgischen Stationen versterben, sind postoperative Infektionen wie etwa Wundinfektionen, Sepsis, Harnwegsinfektionen oder Lungenentzündungen der Grund. Diese Komplikationen sind zu unterscheiden von den bösartigen Spitalskeimen, die kaum/nicht mehr auf Antibiotika ansprechen. Chirurgische Infektionen werden meistens durch körpereigene, vor allem Haut- und Darmkeime und nur in wenigen Fällen durch Problemkeime ausgelöst.

Risikofaktoren für postoperative Infektionen sind Alter, Begleiterkrankungen, Diabetes, die Einnahme von Immunsuppressiva, etwa bei Transplantationspatienten, Cortisoneinnahme, Nierenschwäche, Adipositas oder Unterernährung.

Bei akuten Darmoperationen oder etwa einer Lebertransplantation ist die Gefahr für Infektionen höher als bei so genannten sauberen – oft laparoskopischen Eingriffen wie dem Leistenbruch oder auch zum Beispiel bei einer Brustkrebsoperation.

Maßnahmen zur Minimierung von postoperativen Infektionen:

  • Verringerung des OP-Traumas
  • Frühzeitige Mobilisierung des Patienten
  • Frühzeitiger Kostaufbau nach dem Eingriff
  • Vermeidung bzw. möglichst kurzzeitige Anwendung von Sonden, Kathetern, Drainage
  • Korrekte Antibiotikaprophylaxe: Optimal ist eine einmalige intravenöse Antibiotikagabe etwa 30 Minuten vor dem Hautschnitt. Dieser Infektionsschutz hält vier Stunden lang.
  • Hygienemaßnahmen

Postoperative Infektionen belasten den Patienten, bedeuten oft einen verlängerten stationären Aufenthalt, Immobilität und erhöhte Kosten. Kommt es zu einer Infektion, muss die auslösende Quelle, der Herd, so schnell als möglich ausgeschaltet werden.

Primar Univ.-Prof. Dr. Reinhold Függer ist Leiter der Abteilung für Chirurgie im Krankenhaus der Elisabethinen in Linz.

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