Das Weblog von Ärztinnen und Ärzten aus Oberösterreich

Arbeiten gegen die biologische Uhr

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Dr. Christine Feichtinger

Ob am Hochofen oder im Krankenhaus: Schichtarbeit ist aus unserer Arbeitswelt nicht wegzudenken. Allerdings steht sie unserem Biorhythmus entgegen: Der Mensch ist primär ein tagaktives Wesen. Bestimmte Organe und Körperfunktionen unterliegen einem biologischen Rhythmus, der vom Tageslicht beeinflusst wird. In der Nacht steht unser Organismus zwecks Regeneration auf Sparflamme. Die Körpertemperatur sinkt etwas ab. Das Herz reduziert seine Schläge auf ca. 50 pro Minute. Sowohl unsere Muskulatur als auch unser Magen erbringen ihre höchsten Leistungen am Tag. So überrascht es nicht, dass sich Schichtarbeit gesundheitlich negativ bemerkbar machen kann, etwa durch Schlafstörungen, chronische Müdigkeit, Verdauungsprobleme oder depressive Verstimmungen. Es gibt auch Hinweises, dass jahrelange Schichtarbeit zu einem erhöhten Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen führt. Umso wichtiger ist, dass Betroffene besonders auf ihre Gesundheit achten. Dazu gehört ein ungestörter Schlaf am Tag. Türklingel und Telefon sollten abgestellt werden, das Schlafzimmer abgedunkelt sein. Während der Nachtschicht empfehlen sich nur kleine, leichte Mahlzeiten. Wer die Möglichkeit hat, Überstunden in Freizeit abzubauen, sollte das nutzen, denn Zeit zur Erholung und mit der Familie und Freunden tut Körper und Seele gut. Mit dem Alter lässt die menschliche Regenerationsfähigkeit nach. Über 45-Jährige sollten sich, wenn es eine Alternative gibt, überlegen, aus der Schichtarbeit auszusteigen oder sich dafür einsetzen, dass der Schichtplan zu ihren besonderen Bedürfnissen passt.

Dr. Christine Feichtinger ist Arbeitsmedizinerin in Linz.

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