Zum Welt-Aids-Tag: Höhere Aufmerksamkeit für HIV

Jährlich stecken sich im Schnitt 427 Personen mit HIV an. Viele wissen von ihrer Erstinfektion gar nichts. Aber ohne Behandlung, schädigt das HI-Virus die Abwehrkräfte. Nur ein Test gibt Gewissheit und eröffnet den Weg zur Behandlung.

Der Welt-Aids-Tag am 1. Dezember soll daran erinnern, dass HIV (Humanes Immunschwäche Virus) noch nicht besiegt ist. „Es gibt mittlerweile eine sehr gute medizinische Betreuung von HIV-Patientinnen und -Patienten. Schlimm wirkt aber noch immer die Stigmatisierung der Betroffenen“, sagt OMR Dr. Wolfgang Ziegler, Allgemeinmediziner und stellvertretender Kurienobmann der Ärztekammer für Oberösterreich. Denn immer noch führen Unwissen und Vorurteile über HIV und Aids dazu, dass betroffene Patientinnen und Patienten von Kolleginnen und Kollegen, Freundinnen und Freunden sowie auch Bekannten und Familienmitgliedern gemieden und verächtlich gemacht werden.

Übertragungsweg von HIV

Übertragen wird HIV durch bestimmte Körperflüssigkeiten in ausreichender Menge: Blut, Sperma, Flüssigkeitsfilm auf der Darmschleimhaut oder Vaginalsekret. Im normalen sozialen Alltags-Kontakt ist keine Ansteckung möglich. Nicht ansteckend sind daher Infizierte über Speichel, Schweiß, Harn, Stuhl oder die Tränenflüssigkeit. Auch Hautkontakt, Umarmen, Händeschütteln, Besteck teilen, gleiches Schwimmbad oder die gleiche Toilette benützen, Küssen, Anhusten, Anniesen sowie auch Insektenstiche sind nicht in der Lage, HIV weiterzureichen. Und: HIV-Positive, die ihre antiretrovirale Therapie durchführen, sind prinzipiell auch nicht mehr ansteckend.

Eine Erstinfektion zu erkennen ist gar nicht einfach, da diese mit sehr unspezifischen Symptomen einhergeht: etwa Fieber, akute Lymphknotenschwellung, Hautausschlag, Durchfall oder Schluckbeschwerden. Auf diese akuten Phasen können Phasen völliger oder weitgehender Beschwerdefreiheit folgen. Aids (Acquired immunodeficiency syndrome – erworbenes Immunmangelsyndrom) ist die Folge der HIV-bedingten Immunschwäche, an der weltweit im Vorjahr 650.000 Menschen starben. Seit Mitte der 1990er Jahre gibt es gute Therapiemöglichkeiten, die bei optimalem Einsatz die Lebensqualität erheblich verbessern und den Ausbruch von Aids verhindern können.

Früh erkennen, besser behandeln

„Sicher erkennen lässt sich HIV im Rahmen eines Tests bei Ihrer Hausärztin/Ihrem Hausarzt bzw. auch beim Blutspenden, bei dem die Spenderinnen und Spender auf HIV-Antikörper getestet werden“, sagt OMR Dr. Ziegler. Immerhin: 40 Prozent der Neudiagnosen befinden sich schon in einem späten Stadium der HIV-Infektion – das heißt, sie haben Ihre Ansteckung nicht erkannt. Frühzeitige Diagnose und Behandlung sind aber die entscheidenden Faktoren, um die Infektiosität der mit HIV infizierten Menschen auf ein Minimum herabzusetzen und die mit einer HIV-Infektion einhergehende Zerstörung des Immunsystems frühzeitig einzudämmen. Überdies können Sie jederzeit in die Situation geraten, im Notfall Blut spenden zu müssen. Daher ist ein Wissen darüber von großem Vorteil.

Infektionsrisiko vermeiden

Da es weder eine kurative Therapie noch einen Impfstoff gibt, müssen Infektionsrisiken vermieden oder man muss sich davor schützen.  Am häufigsten erfolgt eine Übertragung des HI-Virus über Geschlechtsverkehr. Daher zählt Safer Sex (mit der Verwendung eines Kondoms) immer noch zum besten Schutz vor einer Infektion mit dem HI-Virus. Daneben besteht noch die Möglichkeit über die Einbringung von erregerhaltigem Blut oder Blutprodukten in die Blutbahn (Drogenkonsum; Transfusion von kontaminierten Blutkonserven – wobei eine Konserve pro 5 Millionen Blutspenden HIV beinhalten könnte) sowie prä-, peri- oder postnatal von der infizierten Mutter auf ihr Kind – über die Muttermilch beim Stillen.

Bei Gefahr – rasch handeln

Passieren kann immer etwas – etwa ein gerissenes Kondom. Auch in so einer Situation kann man einiges richtig machen: Reinigen Sie potentiell infektiöse Körperflüssigkeit von der Schleimhaut beteiligter Körperregionen durch Abspülen. Dann sollte man sogleich eine Schwerpunktpraxis bzw. eine Klinikambulanz aufsuchen, bei der eventuell das Infektionsrisiko mit einer postexpositionellen Prophylaxe (PEP) begonnen wird. Das ist eine vor allem medikamentöse Therapie, die das Infektionsrisiko senken kann. Gehen Sie diesen Weg aber nur dann, wenn eine beteiligte Person infiziert ist oder wenn dringender Verdacht besteht.

Fotocredit (c) adobe stock /

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