Tipps aus der TCM – Im Frühling wieder in Bewegung kommen

Im Rhythmus der Natur zu leben ist im modernen Alltag nicht so leicht. Die Winterruhe der dunklen Jahreszeit ist uns Menschen nicht vergönnt. Bäume und Pflanzen ziehen sich im Winter in ihr Innerstes zurück, in die Wurzeln und Knollen, um sich warm zu halten und regenerieren zu können. Die Energie an der Oberfläche kommt durch die Kälte zum Erstarren. Der Winter ist auch für uns Menschen die optimale Zeit, unsere Außenorientierung etwas zurückzunehmen und Innenschau zu betreiben, um im Frühling wieder in Bewegung zu kommen und neu durchzustarten.


Zum Frühling gehört nach der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) das Element Holz mit seinen Organen Leber und Gallenblase. Auch Augen, Sehnen und Bänder sind dem Holzelement zugeordnet. Um nach der Winterstarre die Freude, Kreativität und Energie zu wecken, benötigt es Wärme. Wärme = Yang = Aktivität = Bewegung. Bewegung erzeugt Wärme und aktiviert unsere Leber/Holz-Energie. Unsere Leber benötigt viel Sauerstoff! Daher so viel es geht, raus in die erwachende Natur. Die ersten Frühlingssonnenstrahlen nach Lust und Vorliebe zum Spazieren, Nordic Walking, Laufen und Radeln nutzen. Eine Möglichkeit, um im Körper Leber und Gallenblase anzuregen ist, den rechten Rippenbogen sanft nach unten auszustreichen. Damit aktiviert man Akupressurpunkte für Leber und Galle und das sorgt für innere Bewegung.

Tipps aus der TCM, um seine Leberkraft zu stärken

Die Qualität des Holzes ist die Flexibilität. Bewegung, Ausdehnung und Entfaltung sind im Frühling angesagt. „Die Leber-Qi-Stagnation ist heute eine Volkskrankheit. Sie wird durch das viele Sitzen und zu wenig Bewegung, Stress, Frust und Wut forciert. Man fühlt sich angespannt und abgeschlagen. Seitlicher Kopfschmerz, Verspannungen im Schulter- und Nackenbereich, Ischias-Beschwerden, Muskelzerrungen, Sehnenscheidenentzündungen, trockene, gerötete Augen, Sehstörungen, Völlegefühl unter dem rechten Rippenbogen, Gallensteine, Lebererkrankungen, Durchschlafstörungen vor allem zwischen 23:00 und 03:00 Uhr, brüchige Nägel können so eine Stagnation anzeigen“, erklärt die Shaolin Qigong Trainerin und diplomierte Krankenschwester mit TCM-Ausbildung Irene Hewarth aus Linz. Der Mensch braucht Bewegung, damit diese Blockade wieder in Fluss kommt.

Ernährung: Grün ist die Farbe des Frühlings, so haben grüne Lebensmittel eine nährende Wirkung auf die Leber. Viel grünes Gemüse, Sprossen und Keime essen.

Was der Leber gut tut: Bewegung in der Natur, Qigong, Tanzen, Kreativität ausleben, Routine unterbrechen und den Körper entschlacken.

Was der Leber nicht gut tut: Druck, Einengung, Einschränkung der persönlichen Freiheit

Qigong-Übung für den Frühling

Qigong ist eine der fünf Säuen der TCM. Neben Akupunktur, Ernährung, Phytotherapie und Tuina (Massagetechnik) gibt der chinesische Arzt dem Patienten oftmals eine Qigong-Übung mit, um den Organismus zu kräftigen und zu stärken, Funktionsstörungen vorzubeugen oder sie zu behandeln. Ziel des täglichen Übens sind mehr Vitalität und psychische Stabilität - dazu reichen 15 Minuten Training pro Tag. Am besten draußen üben. Passivität lässt das Leber Qi stagnieren – dies führt zu Unbehagen, Gereiztheit, Völlegefühl.

Shaolin-Qigong Trainerin Irene Hewarth beim Üben

Da der Holzenergie auch die Augen zugeordnet sind, hier ein paar Übungen für Augen und Sehkraft:


Man kann im Stehen oder im aufrechten Sitz üben:

a) Blätter zählen: In einer angenehmen Entfernung vor einem Baum, Strauch oder Blumenstock stehen und die grünen Blätter mit den Augen zählen. Mit 50 Blättern beginnen und die Anzahl gleichmäßig bis 100 steigern - ein paar Blätter mehr alle paar Tage.

b) Rollende Sterne: Mit offenen Augen beide Augen in großen Kreisen rotieren lassen. 10 Kreise in eine Richtung, 10 Kreise in die andere.

c) Nah und Fern-Einstellung: Für einige Sekunden auf ein entferntes Objekt starren (einen Baum, eine Wolke etc.), dann den Blick schnell wechseln und einige Sekunden auf etwas Nahes starren, z.B. auf die Nasenspitze; Wechsel 10-mal wiederholen.

d) Den Geist nähren: Die Augen schließen und vorstellen, wie die Augen mit Energie durchflutet werden. Am Anfang können die Augen jucken, das ist ein gutes Zeichen. Mit der Zeit wird man merken, dass die Augen ausgeruht sind und der Geist frisch ist.

e) Das goldene Fingertor stärkt die Sehkraft:

• Schultern locker und entspannt.

• Die beiden Hände so halten, dass nur die Zeigefinger aufrecht nach oben zeigen.

• Den rechten Finger etwa 10 bis 15 cm entfernt genau vor den Augen halten.

• Den linken Arm ganz ausstrecken und den Zeigefinger der linken Hand genau hinter dem rechten halten.

• Nun auf den linken Finger schauen, der weiter entfernt ist. Man kann feststellen, dass der rechte Finger zweimal zu sehen ist, sozusagen ein „Tor“ bildet, in dessen Mitte der linke Finger zu sehen ist. D.h. man sieht den rechten (näheren Finger) zweimal und den linken nur einmal.

• Dann genau auf den rechten (näheren) Finger schauen, und nun bildet der hintere, linke Finger das „Tor“.

• Darauf achten, dass dieser Finger jeweils in der der Mitte des Tores erscheint.

• Einatmen – zum nahen Finger schauen

• Ausatmen – zum fernen Finger schauen.

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