Alzheimer Demenz vorbeugen

Die Demenz ist eine der großen künftigen Herausforderungen für Medizin und Gesellschaft. Die Alzheimer Erkrankung ist dabei die häufigste Demenzform. Derzeit leben rund 100.000 Alzheimerkranke in Österreich. Bis zum Jahr 2050 schätzt man, dass sich die Zahl der Betroffenen verdreifachen kann. Alzheimer ist nicht heilbar, aber man kennt Schutzfaktoren, die helfen können, Alzheimer zu verhindern.

 

 

Rund jeder dritte über 90-Jährige leidet an einer Alzheimer Demenz. Primar Dr. Elmar Kainz ist Vorstand der Klinik für neurologisch-psychiatrische Gerontologie am Neuromed Campus der Kepler Universitätsklinik Linz und beschäftigt sich intensiv mit dem Thema Demenz. Er hat ein Vorsorge-Programm für Alzheimer entwickelt, das aus sieben Schritten besteht. „Durch Prävention lässt sich der Ausbruch meist verhindern bzw. das Fortschreiten verlangsamen. In meinem Programm habe ich Methoden gesucht welche wissenschaftlich belegt und mit einfachen Mitteln umzusetzen sind“, sagt der Psychiater, der sein Programm nach neuesten Studien kontinuierlich anpassen bzw. erweitern wird.

1) Soziale Aktivität ist das Um und Auf

Gefühlte Einsamkeit birgt das mit Abstand höchste Risiko für eine Alzheimer Demenz. Es erhöht das Risiko der 90-Jährigen von 30 auf 75 Prozent. Menschen, die in Familie und Freundschaften eingebunden und dort aktiv sind, erleben Erfüllung. Natürlich sollen die Beziehungen freudebringend und nicht belastend sein. Wer sich vor allem für seine Mitmenschen engagiert und sozial aktiv ist, soll gut geschützt sein. Eine Depression hingegen erhöht die Gefahr einer Demenz.

2) Körperliche Aktivität

Wandern, Walking oder Tanzen – man sollte sich vier Mal die Woche rund 60 Minuten bewegen. Tanzen fordert Körper und Geist und bringt soziale Kontakte daher gilt es als optimales Training. Die körperliche Aktivität soll zudem Spaß machen, den Spaß und Freude aktivieren das Gehirn besonders. Sich in der Natur zu bewegen wäre das Ziel, weil da alle Sinne angeregt werden: man riecht den Wald, hört Vögel, sieht Blumen etc.

3) Geistige Aktivität

„Use ist or loose it“ – Unser Gehirn lässt sich wie ein Muskel trainieren. Kreuzworträtseln ist gut, aber nicht alles. Wie wär es mit dem Singen in einem Chor, dem Lernen einer Fremdsprache, eines Musikinstrumentes oder dem Belegen eines Computerkurses für Senioren? Lernen ist ein ganzheitliches Thema, man kann Vokabel, Lieder, Tanzschritte, Maltechnik etc. lernen.

4) Entspannung

Dauerstress schwächt unser Gehirn und seine Leistungsfähigkeit enorm. Bei schädlichem Stress schlägt das Herz schneller und fester, es steigt der Blutdruck plötzlich, zudem erhöht sich der Zuckergehalt des Blutes und nicht überlebensnotwendige Prozesse werden heruntergefahren. Schließlich ging es einst darum, dem Mammut zu entkommen und keine Denksportaufgaben zu lösen. Das Gehirn wird sozusagen abgeschaltet. Cortisol ist das Stresshormon, das dauerhaft erhöht ist und das zu einem Abbau des Gehirns bis hin zu einer Depression führen kann. Daher ist es wichtig, dass auf stressreiche Zeiten, Entspannung folgt, damit der Cortisolspiegel im Blut wieder sinken kann. Yoga, Meditation, klassische Musik, Autogenes Training, ein Abendspaziergang und ein wohltuendes Bad, jeder hat seine Rituale, die ihn entspannen. Diese regelmäßig durchführen.

5) Schlaf

Im Schlaf regeneriert sich der Körper, werden Zellschäden repariert und Erlerntes, das wichtig ist, im Gedächtnis abgespeichert. Damit das Erlebte auch abgespeichert wird, braucht man einen entspannten Schlaf, am besten sieben bis acht Stunden pro Tag.

6) Mediterrane Kost

Viel Obst und Gemüse, auseichend Fisch, wenig Fleisch und vielleicht ein Glas Rotwein bzw. Traubensaft sind eine Ernährung, die dem Gehirn hilft, leistungsfähig zu bleiben. Wenn das Mahl mit Freunden eingenommen wird und man dabei Freude hat, ist es doppelt gut. Vor allem hochwertige Öle mit mehrfach ungesättigten Omega 3 Säuren wie Lein-, Oliven- oder Hanföl zu sich nehmen, das tut Herz und Hirn gut.

7) Vermeidung und Behandlung von Risikoerkrankungen

Depression, Bluthochdruck oder Diabetes erhöhen das Demenzrisiko. Diese Erkrankungen sollen frühzeitig erkannt und behandelt werden. Rauchen, zu viel Alkohol oder Drogen sind hingegen Gift für unser Gehirn.

Kurzum: Wer aktiv ist, sich bewegt, in Beziehung bleibt, Freude und Spaß im Leben vermehrt und gleichzeitig Einsamkeit und Stress reduziert, sorgt gut für sich und dass er im Oberstübchen fit bleibt. Man kennt zwar die Risiken für die verminderte Funktionsfähigkeit und den Untergang von Nervenzellen im Gehirn, die präzisen Gründe für diese Vorgänge sind trotz intensiver Forschung aber noch unbekannt.

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