Der orangerote Ball der untergehenden Sonne, intensives Rosenrot, das Gelb der Sonnenblume, türkisblaues Meer, saftiges Grün der Frühlingswiese, all das sind Vitamine, die Lebensenergie, Wohlgefühl und/oder innere Ausgeglichenheit nähren. Licht bestimmt unseren Biorhythmus, fehlendes Tageslicht verlangsamt den Takt der inneren Uhr. Das Auge muss Licht tanken, damit das Leben rund läuft. Schon ein Spaziergang im Nebel hat 2500 Lux Lichtintensität und tut der Seele viel besser als Bürobeleuchtung mit 300 Lux. Viel Energie schenkt uns ein Sonnentag mit 100.000 Lux, weil er die Ausschüttung des Glückshormons Serotonin ankurbelt. Der Mensch kann 150 bis 200 Farbtöne unterscheiden. Schon die alten Griechen und Ägypter nutzen die Heilkraft der Farben. Körper, Geist und Seele brauchen Farbvitamine. Mit Farbe signalisieren wir Lebensfreude und Kreativität. Oder auch das Gegenteil: Studien zeigten, dass depressive Menschen dunkle, trübe Farben bevorzugen. Farben in den eignen vier Wänden schaffen Behaglichkeit, regen die Sinne an, entstressen und beruhigen überreizte Gemüter. Farben erhellen den Alltag, lassen Räume wärmer und kühler, größer und kleiner erschienen. „Die Erfahrung lehrt uns, dass die einzelnen Farben besondere Gemütsstimmungen geben“, wusste schon Johann Wolfgang von Goethe.
Farbvitamine und Seelendoping
Jeder kennt dieses Gefühl: Man betritt einen Raum, fühlt sich wohl und willkommen oder man möchte gleich wieder gehen, weil er kalt wirkt und auf die Stimmung drückt. Farben sind Multitalente: Sie verleihen Räumen Persönlichkeit, schaffen Wohlgefühl und Atmosphäre, beeinflussen das Tageslicht, lassen Räume größer oder kleiner wirken, regen an, auf oder entspannen. Mancher ist bei der Farbwahl unsicher und glaubt, eine farbige Wand könnte zu aufdringlich wirken, wissen Farbgestalter und -berater.
Das Auge wünscht sich keine Villa Kunterbunt sondern Farbharmonie, die pfiffig eingesetzte Kontraste nicht ausschließt. Ob Ton in Ton, mit sanftem Pastell oder mit Kontrapunkten, Räume lassen sich je nach Funktion und Vorliebe vielseitig gestalten. Unser Organismus reagiert auf Farben über Augen und Haut.
Gelb verscheucht trübe Stimmung
Warme Farben vermitteln Geborgenheit, kalte eher Distanz und Weite. Wer entstressende Akzente setzen will, sollte Kontraste minimieren und Pastelltöne verwenden. Grellbunte Farben wirken anregend, pastellige Töne neutral. Der Boden in einem Raum kann dunkler sein, nach oben hin sollen die Farben heller werden. Eine Decke in einem Weißton gestrichen drückt nicht. Positiv auf die Stimmung wirken laut Farbexperten die Farbpaare Gelb-Violett, Blau-Orange und Rot-Grün. Das Gehirn sucht den Ausgleich und den findet es in diesen Paaren. Ein Kraftraum in Rottönen „ruft“ nach grünen Pflanzen. Beide Farben zusammen bewirken Gelassenheit. Gelbtöne fördern das konzentrierte Arbeiten und Fliedertöne regen die Intuition an.
Farbwirkungen im Wohn- und Arbeitsumfeld
- Rot bringt Energie (ins Haus): Die Farbe regt an und stimuliert, bringt den Stoffwechsel auf Trab, fördert die Durchblutung und den Appetit. Eine Studie zeigte, dass bei Menschen, die lange Zeit eine rote Fläche anstarrten, Blutdruck, Puls, Atemfrequenz und Muskeltonus stiegen. Wer zu Nervosität und Reizbarkeit neigt, sollte rote Wände zum Beispiel eher meiden. In Räumen, in denen man zur Ruhe kommen will, sollte Rot nicht dominieren.
- Orange sorgt für Heiterkeit: Die Farbe vermittelt gelöste Stimmung, strahlt Wärme und Gemütlichkeit aus, gilt als „soziale“ Farbe. Gut geeignet für Küche und Esszimmer oder Nordzimmer mit wenig Sonne.
- Gelb, die Farbe der Sonne: Sie verscheucht trübe Stimmung, macht Lust auf Sex. Die positive Ausstrahlung beflügelt geistiges Arbeiten, fördert die Konzentration und stärkt die Nerven. Kleine Räume erscheinen durch Gelb größer. Gut für Besprechungsräume, auch in Kombination mit dunkleren Tönen. Gelb regt auch den Speichelfluss und die Geschmacksnerven an. Eine Küche in Sonnengelb ist etwas für Genießer. Gelb wirkt auch entgiftend.
- Blau kühlt und entspannt: Enge, niedrige Räume „wachsen“ mit Blau. In Schlafzimmern mit Blautönen lässt sich gut entspannen. Grün und Blau verlangsamen die Nerventätigkeit, beruhigen und sie senken den Blutdruck. Blau beruhigt gereizte, aggressive und nervöse Seelen. Instinktiv meidet jemand, der in sehr reizintensiver Umwelt lebt, zusätzlich erregende Farben wie Rot, Gelb oder helles Orange.
- Grün schenkt Regeneration, Harmonie und Kreativität: Die Farbe gleicht aus, gibt Geborgenheit. Ein Raum in Grüntonen wirkt erholsam, vitalisierend und regenerierend. Wer stundenlang am PC sitzt, dessen Augen erholen sich beim Blick aus dem Fenster ins Grüne.