Jedes Jahr erkranken etwa 250 Kinder und Jugendliche in Österreich an Krebs. Von zehn erkrankten Kindern und Jugendlichen können acht geheilt werden. „Dank des Engagements unserer Ärzte, im Bereich der Kinderonkologie die wissenschaftliche Forschung laufend zu verbessern, haben sich die Heilungschancen in den letzten 20 Jahren deutlich verbessert", so Dr. Peter Niedermoser, Präsident der Ärztekammer für Oberösterreich.
Dennoch ist die Diagnose Krebs ein Schock. Angst, Verzweiflung und Hilflosigkeit mischen sich mit dem Gefühl der Überforderung. Dabei ist gerade die Unterstützung der Eltern extrem wichtig, um ihrem Kind in der neuen Lebenssituation bestmöglich zur Seite zu stehen. Dr. Georg Ebetsberger-Dachs, Oberarzt für Kinder- und Jugendheilkunde an der Landes-, Frauen- und Kinderklinik Linz und wissenschaftlicher Beirat im Vorstand der Österreichischen Kinderkrebshilfe, weiß, wie emotional die erste Zeit nach Diagnosestellung für alle Beteiligten ist. „Die Eltern sind zumeist von der Situation völlig überfordert", so Dr. Ebetsberger-Dachs. „Alles in ihrem Leben wird auf den Kopf gestellt, muss neu organisiert werden. Als Elternteil ist man für sein Kind zu 100% da, aber man darf nicht vergessen, dass jeder Mensch nur ein bedingtes Maß an eigenen Ressourcen zur Verfügung hat."
Tipps und Anregungen im Umgang mit an Krebs erkrankten Kindern:
• Intensive Präsenz: so viel wie möglich im Krankenhaus anwesend sein. Gegebenenfalls auch Möglichkeiten der Übernachtung im Spital nutzen und sich mit dem Partner/der Partnerin abwechseln.
• Regelmäßiger Rhythmus an Besuchszeiten: kürzere Besuche in einem regelmäßigen Rhythmus sind besser als längere, dafür aber unregelmäßigere.
• Kontakt nach außen fördern: Das Kind sollte den Kontakt zur Außenwelt nicht verlieren. Daher die Möglichkeit geben, es telefonieren zu lassen bzw. auch Besuch von Freunden, oder Geschwistern empfangen lassen. Zudem ist die Förderung des Kontakts zu Gleichgesinnten direkt auf der Station wichtig, um vom eigenen Kummer abgelenkt zu werden.
• Sich auf das Kind einlassen: beim eigenen Verhalten den körperlichen und seelischen Zustand des Kindes berücksichtigen. Die Kinder motivieren, die vom Krankenhaus angebotenen kreativen Leistungen (z.B. Schulunterricht im Krankenhaus, Angebote der Pädagogin oder Maltherapeutin) anzunehmen.
• Ehrlicher und offener Umgang: Wenn Kinder Fragen stellen – egal zu welchem Thema – diese ehrlich und offen beantworten. Damit baut man Vertrauen zu den kleinen PatientInnen auf. Das Kind aber nicht mit Informationen belasten, die überflüssig sind.
• Vorbereiten auf das, was kommt: In Zusammenarbeit mit dem medizinischen und psychosozialen Behandlungsteam das Kind auf eventuelle medizinische Eingriffe vorbereiten und versuchen, die Angst zu mildern.
• WICHTIG – die Erziehung nicht vergessen: Mitleid gegenüber dem Kind kann oftmals dazu führen, dass das Kind Grenzen überschreitet, die es normalerweise nicht überschreiten darf. Diese Grenzen trotzdem aufzeigen!
Der eigene Umgang mit der Situation
„Was die Eltern betrifft, so sollten sie keinesfalls auf sich selbst vergessen", so Dr. Niedermoser. „Es hilft, Unterstützung anzunehmen, sich etwas Gutes zu tun und sich mit anderen betroffenen Eltern auszutauschen. Besonders wichtig ist es, medizinische Fragen mit dem zuständigen Fachpersonal zu besprechen und sich nicht von Meinungen von außen verunsichern zu lassen."