Herr Dr. Niedermoser, was muss ich derzeit tun, wenn ich als Allgemeinmediziner eine Ordination aufmachen will?
Nach dem Medizinstudium machen Sie drei Jahre praktische Ausbildung – den so genannten Turnus – im Spital. Die Turnusärzte werden in verschiedenen Spitalsabteilungen ausgebildet, arbeiten und lernen unter Anleitung. Paradoxerweise gibt es derzeit aber keine verpflichtende Ausbildung in den Ordinationen.
Ich kann mich also als Allgemeinmediziner niederlassen, ohne während der Ausbildung Erfahrungen in einer Ordination gesammelt zu haben?
Es gibt einige wenige Plätze für Lehrpraktikanten. Die Ärzte, die das Glück haben, ein solchen zu ergattern, beurteilen die Lehrpraxis durchwegs positiv. Die überwiegende Mehrheit der Ärzte absolviert ihren Turnus aber ausschließlich in den Spitälern. Viele entscheiden sich danach für eine Facharztausbildung …
… das heißt, die Turnusärzte von heute sind nicht unbedingt die Hausärzte von morgen?
Genau. Viele bleiben dann im Spital. Das verwundert mich nicht: Man lernt ja die Arbeit in der Ordination, die speziellen Herausforderungen dort, während der Ausbildung nie kennen.
In vielen europäischen Ländern gibt es eine öffentlich finanzierte verpflichtende Lehrpraxis zwischen 12 und 48 Monaten …
Was die Lehrpraxis betrifft, ist Österreich Schlusslicht in Europa! Dabei haben wir ein Ausbildungskonzept erstellt, das den internationalen Vergleich nicht zu scheuen braucht.
Das Projekt scheitert bis dato an der Finanzierung…
... es geht um rund 15 Millionen Euro im Jahr. Diese Summe würde nicht nur dazu beitragen, die Ärzteausbildung maßgeblich zu verbessern, sondern wäre auch ein wesentlicher Beitrag zur Sicherung der medizinischen Versorgung am Land. Es ist mir absolut unverständlich, warum die Landeshauptleute, die immer wieder ihre Sorge um die gute medizinische Versorgung kund tun, nicht das Ihre dazu beitragen, das Problem zu lösen.
Drei Fragen an…
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