Kurzsichtigkeit bei Kindern: 5 Fragen an den Augenarzt

Mit Schulbeginn verbringen Kinder wieder mehr Zeit mit Lesen, Schreiben und Lernen. Dabei rückt auch ein wichtiges Thema in den Fokus: Kurzsichtigkeit bei Kindern. Wenn die Buchstaben und Zahlen auf der Tafel verschwimmen, besteht Handlungsbedarf. Doch wie erkennen Eltern, dass ihr Kind nicht mehr gut in die Ferne sieht, und was können sie dagegen unternehmen? 5 Fragen an MR Dr. Paul Niederberger, Augenarzt und Fachgruppenvertreter für Augenheilkunde und Optometrie in der Ärztekammer für Oberösterreich.

1. Woran erkenne ich, dass mein Kind kurzsichtig ist? 

Kinder sagen oft nicht von selbst, dass sie schlechter sehen. Viele merken das in vielen Fällen auch gar nicht, da sie sich schon an den Zustand gewöhnt haben. Eltern sollten daher auf kleine Hinweise achten, die auf eine Kurzsichtigkeit bei ihrem Kind hindeuten können. Kneift ihr Kind zum Beispiel beim Blick in die Ferne häufig die Augen zusammen, rückt es näher an den Fernseher oder berichten Lehrende, dass das Kind die Schrift auf der Tafel nicht mehr gut erkennen kann, können das Hinweise auf eine Kurzsichtigkeit sein. Hier ist es sinnvoll, augenärztlichen Rat einzuholen und die Augen kontrollieren zu lassen. 

2. Sind Handy und Tablet schlecht für Kinderaugen? 

Das lässt sich nicht pauschal beantworten, da Faktoren wie Nutzungsdauer und ausreichend Abwechslung für die Augen eine wichtige Rolle spiegeln. Grundsätzlich kommt es darauf an, wie lange Kinder auf kurze Distanz schauen. Deshalb können nicht nur Handy und Tablet, sondern auch Tätigkeiten wie Lesen oder Schreiben zur Belastung für die Augen werden. Wenn die Augen stundenlang ohne Pause im Nahbereich gefordert sind, kann das die Entwicklung einer Kurzsichtigkeit begünstigen. Umso wichtiger sind daher regelmäßige Pausen und Abwechslung. Kinder sollten bei solchen Aufgaben immer wieder aufstehen und bewusst in die Ferne blicken. Zu empfehlen sind etwa zehn Minuten Bildschirmpause pro Stunde sowie ein Mindestabstand von 30 Zentimetern beim Lesen oder der Nutzung von digitalen Geräten. 

3. Warum ist es für die Augen so wichtig, dass Kinder draußen sind? 

Zeit im Freien ist tatsächlich eine eher einfachere Maßnahme, die Eltern in den Alltag einbauen können. Immer wieder zeigt sich, dass Kinder, die regelmäßig draußen sind, seltener kurzsichtig werden. Nach einem langen Schultag oder längerer Bildschirmzeit tut es den Augen gut, nach draußen zu gehen und den Blick wieder häufiger in die Ferne schweifen zu lassen. Wenn es der Alltag zulässt, ist es daher durchaus sinnvoll, täglich ein bis zwei Stunden mit den Kindern draußen zu verbringen. So können sich die Augen im Tageslicht vom Schultag und längeren Lernphasen erholen. 

4. Wann sollte ich mit meinem Kind zum Augenarzt gehen? 

Sobald Eltern den Eindruck haben, dass ihr Kind schlechter sieht, ist es sinnvoll, augenärztlichen Rat einzuholen. Man sollte aber nicht darauf warten, bis das Kind selbst über Probleme klagt. Kinder können eine Sehschwäche erstaunlich lange kompensieren und merken oft gar nicht, dass sie schlechter sehen als andere. Regelmäßige Kontrollen helfen, Veränderungen frühzeitig zu erkennen.

5. Was kann man tun, wenn die Kurzsichtigkeit immer stärker wird? 

Früher hat man bei zunehmender Kurzsichtigkeit vor allem die Brillenstärke angepasst. Heute gibt es verschiedene Möglichkeiten, mit denen sich das Fortschreiten einer Kurzsichtigkeit bei Kindern verhindern lässt. Dazu zählen spezielle Brillengläser oder Kontaktlinsen, aber auch niedrig dosierte Augentropfen. Welche Maßnahme davon sinnvoll ist, hängt immer vom einzelnen Kind ab – etwa vom Alter und davon, wie schnell sich die Kurzsichtigkeit verändert. Aus diesem Grund ist es wichtig, die Entwicklung regelmäßig augenärztlich kontrollieren zu lassen und rechtzeitig zu reagieren.

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