Endlich ist es wieder so weit: Die aktuell laufende Fußball-Weltmeisterschaft erfreut die Herzen aller Fußballbegeisterten. Viele fühlen sich dadurch auch motiviert, selbst wieder aktiv zu werden und auf den Fußballplatz zurückzukehren. Doch gerade der spontane Wiedereinstieg birgt Risiken für die Gesundheit: Denn ohne ordentliche Vorbereitung steigt unter anderem die Gefahr für Muskel-, Bänder- und Gelenksverletzungen.
„Fußball ist zwar eine der beliebtesten Sportarten, birgt aber auch ein hohes Verletzungsrisiko, das vor allem Hobbysportlerinnen und -sportler oft unterschätzen“, erklärt Dr. Helmuth Ocenasek, Sportmediziner und Referent für Sportärzte in der Ärztekammer für Oberösterreich. „Das liegt nicht nur am doch relativ intensiven Körperkontakt, sondern auch an den hohen Belastungen für den Bewegungsapparat.
Typische Verletzungen bei Hobbykickerinnen und -kickern
Verletzungen beim Fußballspielen können vielseitig sein, besonders charakteristisch sind jedoch Muskelzerrungen und Muskelfaserrisse, insbesondere im Bereich der Oberschenkelrückseite (Hamstrings). „Ungefähr zwei Drittel aller Verletzungen sind Muskelverletzungen. Die übrigen Fälle betreffen Bänder, Gelenke und den Kopfbereich sowie in seltenen Fällen Kochenfrakturen. Und betrachtet man die Verletzungsmuster im Männer- und Frauenfußball genauer, zeigt sich in den Unfallstatistiken ein Unterschied vor allem bei Knieverletzungen. Verletzungen des Bandapparates und der Menisken treten bei Frauen häufiger auf. Dies lässt sich durch anatomische Hintergründe erklären“, so Dr. Ocenasek und betont: „Gerade nach längeren Pausen ist der Körper diese Belastungen oft nicht mehr gewohnt. Schnelle Richtungswechsel, Sprints und Stop-and-Go-Bewegungen stellen dann ein erhöhtes Risiko für Verletzungen dar.“
Aufwärmen und Training sind der wichtigste Schutz
Die wichtigste Frage ist nun, wie Sportverletzungen dieser Art vermieden werden können, damit Hobbykickerinnen und -kicker die Freude am Sport nicht verlieren und wieder sicher in den Sport einsteigen können. Denn im Freizeitbereich treten Verletzungen sogar häufiger auf als im Profisport. Das liegt unter anderem daran, dass Freizeitsportler oft nicht über denselben Trainingszustand verfügen. Profis bringen zudem bereits sehr gute athletische Voraussetzungen mit. Daher rät Dr. Ocenasek hier zu einem strukturierten und langsamen Wiedereinstieg: „Wichtig ist, dass man dem Körper nach einer längeren Pause wieder Zeit gibt, sich an die neue Belastung zu gewöhnen. Besonders hilfreich ist dabei eine Kombination aus regelmäßigem Fußballspielen, das durch Kraft- und Stabilisationstraining ergänzt wird“, so der Sportmediziner. Dabei sollten vor allem die Rumpfmuskulatur und die Hüft- und Oberschenkelmuskulatur gezielt gestärkt werden, da sie eine zentrale Rolle für Stabilität und Belastbarkeit im Spiel haben. Zudem soll gezieltes Koordinationstraining dabei unterstützen, Bewegungsabläufe zu verbessern und Fehlbelastungen zu vermeiden. Wer hier auf Nummer sicher gehen möchte, sollte das Training mit geschultem Fachpersonal aus der Sportmedizin oder der Physiotherapie abstimmen.
Ausdauer nicht unterschätzen
Von vielen gerne mal unterschätzt, aber ebenso wichtig für ein verletzungsfreies Spiel: die Ausdauer. Sie sorgt nicht nur dafür, dass die Leistung über die gesamte Spieldauer aufrechterhalten werden kann, sondern beeinflusst auch, wie stabil und kontrolliert sich der Körper in intensiven Spielsituationen bewegt. „Wer 90 Minuten Fußball spielen möchte, braucht eine solide Ausdauer und sollte diese kontinuierlich trainieren. Nur so lässt sich die körperliche Belastung über die gesamte Spielzeit gut verkraften. Viele unterschätzen vor allem nach längerer Pause wie anstrengend es sein kann, 90 Minuten lang zu spielen und überschätzen die eigene Leistungsfähigkeit, wodurch das Verletzungsrisiko steigt“, erklärt Dr. Ocenasek. Mit zunehmender Ermüdung lasse außerdem die Bewegungsqualität nach, wodurch es häufiger zu ungenauen Bewegungsabläufen und fehlender Stabilität komme.
Langsam starten und Regeneration beachten
Dr. Ocenasek empfiehlt, nach einer längeren Fußballpause mit moderater Belastung zu beginnen, den Körper an die neuen Bewegungsabläufe zu gewöhnen und die Intensität schrittweise zu steigern. Ein konsequentes Aufwärmprogramm vor jedem Spiel sowie ausreichende Regeneration sind dabei ebenso wichtig wie ein geeignetes Schuhwerk und ein sicherer Spieluntergrund.
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