In Oberösterreich werden in den kommenden zehn Jahren etwa 380 praktische Kassenärzte in Pension gehen, wir brauchen also jährlich zirka 38 bis 40 Nachfolger, um den Ist-Stand zu halten. Doch derzeit befinden sich nur sehr wenige Kolleginnen und Kollegen in der Ausbildung für Allgemeinmedizin.

Der Arztberuf – insbesondere der Begriff „Hausarzt“ – ist mit hohen, intensiv geprägten traditionellen Werten behaftet: Sie begleiten ihre Patienten meist ein Leben lang und generationenübergreifend. Diese Tatsache verschafft ihnen ein nicht zu bezifferndes, aber unglaublich wertvolles „Grundgespür“ für die Einschätzung von Symptomen, Problemen und Äußerungen ihrer Patienten. Wenngleich neue Formen der Zusammenarbeit (Gruppenpraxismodelle, PHC – Primary Health Care…) Vorteile bringen mögen, so darf dieser Schatz nicht begraben werden. Flexible Versorgungsmodelle müssen sich langsam entwickeln. Das kann gefördert, aber kaum verordnet werden. PHC kann ein Weg sein, aber kein Ziel. Ein PHC-Gesetz ist daher in jedem Fall kontraproduktiv.

Eine optimale Nutzung der Ressourcen erfordert einen konsequenten, aber sensiblen Umgang mit der Thematik. Die Rahmenbedingungen müssen an den Menschen angepasst werden, nicht umgekehrt. An den erforderlichen Willen zur Gemeinsamkeit aller Beteiligten – Gesundheitspolitik, Versicherungsträger, Träger der Krankenanstalten sowie Ärztinnen und Ärzte möchte ich hiermit appellieren!