Jeder Betrieb schätzt seine erfahrenen Mitarbeiter. Sie sind die Säulen, haben den Erfolg ermöglicht, bilden junge Kollegen aus. Ihr Wissen ist Goldes wert und das Potenzial für die Zukunft.

In vielen Spitälern Oberösterreichs ist das anders. Der erfahrene Spitalsarzt ist auch in der zweiten Hälfte seines Berufslebens oft nur Akkordarbeiter, mit acht – statt zwei bis drei – Nachtdiensten pro Monat oder 30 Stunden langen Diensten. Das kostet Substanz. Viele ältere Ärzte pfeifen aus dem letzten Loch. Wenn nicht die Pflegekräfte vielfach unterstützend zur Seite stünden, ginge es gar nicht mehr. Ein erfahrener Arzt ist der beste Lehrer für einen jungen Kollegen. In den kleineren Spitälern gibt es aber kaum noch junge Turnusärzte, denen das Wissen weitergegeben werden kann. Denn immer mehr junge Ärzte ziehen einen Job im Ausland vor – mit besserer Ausbildung, attraktiven Arbeitszeiten, mehr Wertschätzung und höheren Löhnen. Es ist bitter für einen älteren Arzt, der zum  Beispiel eine Abteilung mit aufgebaut hat, wenn er sein Lebenswerk den Bach runtergehen sieht. Und es kommt eine Gesellschaft teuer zu stehen, die wertvolle Ressourcen verliert.

Kürzere Dienste, weniger Wochenstunden und Nachtdienste, mehr Freizeit und die Work-Life-Balance: Das ist keine Extrawurst, sondern bloß der Wunsch der Spitalsärzte nach einem „Akutpaket“ mit erträglichen Arbeitsbedingungen. Spardruck hin oder her: Jeder, der arbeitet, hat ein Recht darauf, besonders jene, die viel Verantwortung tragen.

Der Patient soll ja nicht potenziell gefährdet, sondern weiterhin hochqualitativ versorgt und behandelt werden können.