Können Sie sich vorstellen, nach einem anstrengenden Arbeitstag in der Nacht weiterzuarbeiten und danach noch den ganzen Vormittag? Egal welche Tätigkeit man ausübt – das ist zuviel, möchte man meinen. Für Spitalsärzte, die ja nicht wenig Verantwortung tragen, ist das Realität! Sie dürfen laut Gesetz bis zu 32 Stunden, am Wochenende sogar bis zu 49 Stunden durcharbeiten. Okay, dazwischen sind Nachtdienste, die können – rein theoretisch – ruhig sein und zum Schlafen genutzt werden. Allerdings ist das meist graue Theorie: Fünf und mehr Einsätze sind absolut üblich, an eine Nachtruhe ist also nicht zu denken.

Die Ärztekammer setzt sich seit langem dafür ein, dass die maximale Dienstdauer für Spitalsärzte auf 25 Stunden reduziert wird. Nach dem Nachtdienst und der anschließenden Besprechung muss es für die Ärzte möglich sein, nach Hause zu gehen um sich auszuruhen.

Chronisch überstrapazierte Menschen brennen körperlich und psychisch aus. Überlange Dienste sind aber nicht nur ein Raubbau an der Gesundheit der Ärzte, sondern auch eine potenzielle Gefahr für die Gesundheit der Patienten, weil dadurch das Fehlerrisiko steigt. Zahlreiche internationale Studien zeigen, dass jemand, der mehr als 24 Stunden durcharbeitet, so beeinträchtigt ist, als hätte er 0,8 Promille Alkohol im Blut!

Bevor dieses Problem gelöst ist, ist jede Diskussion über Qualitätsverbesserungen in den Krankenhäusern absurd. Im angeblich besten Gesundheitssystem der Welt sollten die Patienten Anspruch auf die Behandlung durch einen ausgeruhten Arzt haben. Eine Gesetzesänderung ist überfällig!