Österreich ist eines der am besten mit Allgemeinmedizinern versorgten Länder. Die verhältnismäßig kurzen Wege zum Hausarzt sind von unschätzbarem Wert. Zudem sind Hausärzte rund um die Uhr für die Patienten da, Tag und Nacht, an Sonn- und Feiertagen. Noch. Denn immer weniger Ärzte bewerben sich um freie Praxen. In manchen Gemeinden Oberösterreichs  ist es nicht mehr möglich, freie Ordinationen zu besetzen. Das Problem ist hausgemacht: Österreich zählt bei der Ausbildung zum Allgemeinmediziner zu den Schlusslichtern in Europa. Das könnte die Politik schnell ändern. Ein Jahr Lehrpraxis in einer Ordination ist in den meisten Ländern Europas Pflicht und wird ohne Wenn und Aber von der öffentlichen Hand bezahlt. Denn man weiß:  Diese Lehrpraxis ist nicht nur für eine profunde Ausbildung notwendig, sondern macht den Landarztberuf jungen Medizinern schmackhaft. Das Geld für diese Lehrpraxis ist also bestens investiert, wird doch damit auch die Versorgung durch Allgemeinmediziner auf Jahre und Jahrzehnte hinaus gesichert. Doch so viele Argumente für die Lehrpraxis sprechen: Die Politik verweigert seit Jahren die Einführung mit dem Hinweis auf fehlende Finanzierung. Dabei sind die Kosten mit österreichweit jährlich 18 Millionen Euro überschaubar. Wenn man weiß, dass der Hauptverband der österreichischen Krankenkassen heuer einen Überschuss von 86 Millionen Euro erwartet, mutet das Nein zur Lehrpraxis besonders grotesk an.

Eine Politik, die sehenden Auges das erstklassige System der flächendeckenden Versorgung an die Wand fährt, agiert fahrlässig und verantwortungslos den Patienten gegenüber.