Bis zum Jahr 1956 hatte jeder Arzt separat mit dem Kassenverband einen Kooperationsvertrag ausgehandelt. Bis dahin war das auch kein Problem, da beide Seiten mit Augenmaß und gegenseitigem Respekt eine vernünftige Lösung finden konnten. Jetzt soll aber das hoch dekorierte Pferd, genannt PHC (Primary Health Care) dem Volk Sand in die Augen streuen und es Glauben machen, dass damit die ausgedünnte ärztliche Versorgung wieder in Schwung zu bringen ist. „Ärztliche Dienstleister“ auf Augenhöhe mit Pflegern, Therapeuten, Masseuren etc. – alles unter einem Dach und immer offen. Prinzipiell eine gute Idee, so haben wir, die Ärztekammer für OÖ, gemeinsam mit der Gebietskrankenkasse und dem Land OÖ in Enns ein Vorzeigeprojekt auf die Beine gestellt. Das hurtig gezimmerte PHC-Gesetz, das auf der Stelle durchgebracht werden soll, hat aber nicht die von uns allen ersehnte optimale Versorgung von Ihnen als Patient im Fokus, sondern die Zerstörung des Gesamtvertrages zum Ziel. Rein ökonomisch orientierte Kapitalgesellschaften sollen einer Supermarkt-Kette gleich den Hausarzt ausradieren und den medizinischen Markt übernehmen. Die ersten paar Jahre können Verluste locker weggesteckt werden – so lange, bis die letzte Konkurrenz, der benachbarte Hausarzt, verschwunden ist. Das über Jahrzehnte aufgebaute Kassensystem wird so zerstört. Sie als Patient leiden mehr denn je unter rein wirtschaftsorientierter Billigmedizin. Wir Ärzte sind nicht gegen eine strukturierte und moderne Zusammenarbeitsform wie etwa dem PHC, sondern gegen das PHC-Gesetz, das unseren Hausarzt abschaffen würde!