Wie ein Mantra wurde in den Debatten rund um die Gesundheitsreform, für die kürzlich im Nationalrat die Weichen gestellt wurden, die „Stärkung des niedergelassenen Bereichs“ wiederholt. Aber was ist konkret damit gemeint? Im Österreichischen Gesundheitssystem ist der Hausarzt erster Ansprechpartner. Bei ihm laufen die Fäden zusammen, wenn es um die Gesundheit geht. Wenn notwendig, überweist er seine Patienten weiter in die Facharztordination oder ins Krankenhaus. So die Theorie. Denn derzeit kann sich jeder jederzeit in eine Spitalsambulanz begeben, wenn ihm danach ist. Das ist weder sinnvoll noch finanzierbar und sollte vom System unterbunden werden.
Man muss Anreize schaffen, die eine Arbeit in der Ordination wieder attraktiv machen: Eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie schaffen (z.B. durch neue Versorgungsformen, die eine flexiblere Arbeitsgestaltung und patientenfreundlichere Angebote ermöglichen). Eine leistungsgerechte Honorierung garantieren (derzeit werden den Ärzten Leistungen nur bis zu einem „Limit“ bezahlt. Behandelt er mehr Patienten, erhält er dafür weniger oder gar kein Geld!)

Ärztliche Leistungen sollen in die Ordinationen verlagert werden. Das ist vernünftig: Die Versorgung erfolgt dort nah an den Patienten und ist relativ kostengünstig. Das Kunststück, mehr Leistungen ohne zusätzliche Ressourcen zu erbringen, wird allerdings auch der niedergelassene Bereich nicht schaffen. In diesem Sinne hoffe ich, dass die Politik mit dem Versprechen einer „Stärkung des niedergelassenen Bereichs“ kein Lippenbekenntnis abgelegt hat!