Patienten hören es gebetsmühlenartig: Die elektronische Gesundheitsakte ELGA bringe Millionen Euro an Einsparungen, erleichtere den Patienten Wege und erhöhe die Effizienz im Gesundheitssystem. Doch der genaue Blick darauf, abseits der Schönfärberei von Betreiber und Politik, offenbart etwas ganz anderes. Auch das sollten die Patienten wissen.

Erstens erfasst das System nur einen Bruchteil der Daten. Informationen von Haus- oder Fachärzten werden nicht gespeichert. ELGA ist also in weiten Teilen bestenfalls ein Stückwerk. Zweitens bietet das System keine Suchfunktion an. Wenn der Arzt nach einer Allergie gegen bestimmte Medikamente sucht, dann muss er alle ELGA-Dokumente mühevoll durchackern. Das ist eine große Belastung, aber nicht die versprochene Erleichterung.

Drittens: Krankenhausbefunde werden schon jetzt rasch und digital an den Haus- oder Facharzt übermittelt. Diese sind ein halbes Jahr später nur noch in den seltensten Fällen relevant. Dafür braucht es also gewiss nicht die ELGA.

Viertens ist der Datenschutz nicht wirklich gewährleistet. Einträge in der Gesundheitsakte wie zum Beispiel die Verordnung einer Psychotherapie oder das Feststellen einer Aids-Erkrankung können für den Patienten in Beruf oder Gesellschaft negative Folgen haben.

Mit ELGA wird also unter riesigem Aufwand ein Datenmoloch geschaffen – bei nur geringem Effekt. Die propagierte enorme Ersparnis ist nicht nachvollziehbar und ein Ammenmärchen. Um es klarzustellen: Die Ärzte wehren sich nicht gegen einen sinnvollen, die Arbeit unterstützenden und erleichternden Fortschritt. Doch das ist ELGA bei weitem nicht.