Das Hausarztsystem sichert eine wohnortnahe, gute und dabei relativ kostengünstige medizinische Versorgung. Deshalb haben sich die Verantwortlichen für die aktuelle Gesundheitsreform die Stärkung des niedergelassenen Bereichs zum Ziel gesetzt. Gut so. Den schönen Worten müssen aber Taten folgen.

Tatsache ist: Der Ärztemangel macht sich vor allem bei den Allgemeinmedizinern am Land bemerkbar. Kassenstellen müssen oft mehrmals ausgeschrieben werden, bis sich ein Bewerber findet. Die jungen Kollegen entscheiden sich lieber für eine Anstellung, am liebsten in einer größeren Stadt. Will man die hausärztliche Versorgung in der gewohnten Weise aufrecht erhalten oder gar noch verbessern, wird man daher versuchen müssen, dieses Berufsfeld mehr Ärzten schmackhaft zu machen. Wie das funktionieren könnte? Zum Beispiel, indem man es ihnen während der Ausbildung nahe bringt. Derzeit findet diese mangels Alternativen ausschließlich in den Spitälern statt. Dabei wären die Erfahrungen in einer Ordination nicht nur im Hinblick auf die Berufsvorbereitung notwendig. Wer die Möglichkeit hat, den Berufsalltag in einer Ordination kennenzulernen, wird sich eher für diesen Beruf entscheiden.

Die Integration einer einjährigen verpflichtenden Lehrpraxis in die Ausbildung zur Allgemeinmedizin scheiterte bis dato an der Finanzierung. 15 Mio Euro pro Jahr wären dafür nötig. Der Bund spielt den Ball an die Landeshauptleute, die davon nichts wissen wollen. Sind die Sorgen der Politiker um die ärztliche Versorgung und die Forderungen nach einer Stärkung des niedergelassenen Bereichs nur leere Worte?