Serien wie „Der Landarzt“ oder „Der Bergdoktor“ vermitteln einem breiten Publikum ein idyllisches Bild eines Landarztes. Nur: die Realität sieht ganz anders aus! Oder haben Sie Lust, an die 70 Stunden pro Woche zu arbeiten, mehr als durchschnittlich 1.000 Hausbesuche pro Jahr zu absolvieren und mindestens jedes zweite Wochenende für den Bereitschaftsdienst aufzuwenden? Ja? Dann werden Sie Landarzt! Freie Stellen gibt es genug. Sie können sich Ihren Dienstort sogar „fast“ frei auswählen. Und die Ortschaften sind allesamt auch idyllisch – um dem medialen Bild des Landarztes wieder gerecht zu werden.

Der Mangel an Landärzten hat eine bedrohliche Form erreicht. Hochrechnungen zufolge werden bis 2023 54% weniger Ärzte am Land tätig sein als heute. Und das heißt für die Patienten: u.a. längere Anfahrtswege zur nächsten Ordination und längere Wartezeiten. Ein trostloses Zukunftsszenario, finden Sie? Ich auch. Denn ich bin gerne Landarzt. Ich schätze die Nähe zu meinen Patienten. Aber ich kann nur allzu gut verstehen, dass vor allem für junge Mediziner die Aussicht auf ein Berufsleben, das einen körperlich bis an seine Grenzen führt, einem fast keine Freizeit, geschweige denn Zeit für die Familie lässt, alles andere als wünschenswert erachten. Um solch negative Zukunftsperspektiven abzuwenden, muss der Beruf des Landarztes attraktiviert werden. Familienfreundlichere Arbeitsbedingungen sind dabei ebenso wichtig, wie ein besser finanzieller Anreiz für längere Öffnungszeiten. Denn wenn wir nicht handeln, steht der Landarzt in ein paar Jahren auf der Liste der aussterbenden Spezies.