Ärmel hochkrempeln, öffentliche Budgets sanieren und Bürokratie abbauen: Das ist Musik in den Ohren vieler. Erst recht, wenn uns vorgegaukelt wird, dass gleichzeitig alles einfacher, besser und schneller werde. Doch das spielt es in der Gesundheitspolitik nicht. An den Folgen der Einschnitte leiden alle. Patienten sterben um Leistungen. Spitäler müssen Patienten aufgrund des enormen Kostendrucks früher entlassen. Ärzte müssen in der gleichen Zeit mehr Leistungen erbringen, ganz zu schweigen von langen und aufreibenden Schicht-, Nacht- und Wochenenddiensten.

Kein Wunder, dass viele Mediziner bereits die Nase voll haben. Eine Umfrage zeigt, dass es sich vier von fünf jungen Turnusärzten nicht vorstellen können, bis zur Pensionierung ihren Beruf im Spital auszuüben. Das allein ist ein niederschmetternder Befund. Und ein Alarmsignal für die Politik, rasch umzudenken. Immer mehr Ärzte zieht es ins benachbarte Ausland, weil dort die Arbeitsbedingungen bei weitem besser sind. Die Bürokratie ist nicht abgebaut worden, sondern angestiegen. Bereits zwischen 30 und 50 Prozent der Arbeitszeit hat ein Arzt für die Dokumentation aufzuwenden, anstatt sich dem Patienten widmen zu können. Das ist schikanös.

Sparpakete sind mitunter notwendig und schmerzhaft. Doch die Frage ist, ob man zuerst bei der Gesundheit, dem angeblich höchsten Gut, den Rotstift so deutlich ansetzen muss. Und wenn doch, dann muss endlich Schluss sein mit der Schönfärberei, dass alles besser werde. Die Politik muss den Patienten klar sagen, was sich verschlechtert – und darf ihnen nicht länger Sand in die Augen streuen.