32 Stunden durchgehend Dienst machen? Im Schnitt 52 Wochenstunden arbeiten? Selbst 65 Wochenstunden im Kauf nehmen? Ein Gewerkschafter hätte bloß ein müdes Lächeln für derartige Zahlen übrig. Ein Familienmensch würde ob solcher Bedingungen verzweifeln. Und für die große Mehrheit der Arbeitnehmer wäre das völlig undenkbar. Doch einem Spitalsarzt in Oberösterreich mutet man das alles zu. Dessen Arbeitsbedingungen haben sich in den vergangenen zehn Jahren verschlechtert, vor allem seit 2010 massiv. Neben den langen Diensten, Nacht- und Schichtdiensten machen steigender Zeitdruck und ausufernde Bürokratie immer mehr zu schaffen. Dort, wo Ärzte mit Patienten zu tun haben, also ihren eigentlichen Auftrag erfüllen, gibt es eine hohe Zufriedenheit. Das zeigt eine neue, repräsentative IFES-Umfrage. Besonders bedenklich ist, dass es 67 Prozent der oberösterreichischen Spitalsärzte für unwahrscheinlich halten, ihre jetzige Tätigkeit mit 65 Jahren noch ausüben zu können. Unter den Turnusärzten, also jenen, die am Anfang ihrer Karriere stehen, sind es sogar 80 Prozent. Kein Wunder, dass es kaum noch Turnusärzte in Oberösterreich gibt. 32 Stunden durcharbeiten ist für Spitalsärzte immer noch legal. Das ist nicht nur Raubbau an der Gesundheit, sondern erhöht auch das Fehlerrisiko enorm.

Doch was macht die Politik? Sie verkauft Verbesserungen, die bloß Scheinverbesserungen sind. Sie lässt hier den Bürokratieschimmel lauter wiehern als im übrigen Österreich. Und sie negiert weitgehend, dass die Spitalsärzte in Oberösterreich aus dem letzten Loch pfeifen. Wertschätzung und Verantwortung sehen anders aus.