Wären Sie verantwortlich für die medizinische Versorgung in Österreich und wüssten Sie seit Jahren, dass wir europaweit einem Ärztemangel entgegensteuern – was würden Sie tun? Abwarten? Auf ein Wunder hoffen? Oder würden Sie sich rechtzeitig überlegen, wie es gelingen könnte, den Ärztemangel in Österreich gar nicht erst ausbrechen zu lassen?

Rollenwechsel: Wenn Sie sich ihren Arbeitsplatz aussuchen könnten – wie würden Sie bei der Auswahl vorgehen? Wahrscheinlich würden neben den Arbeitsinhalten auch die Rahmenbedingungen wie Arbeitszeit, Gehalt etc. eine Rolle spielen. Wir stehen derzeit in einem europäischen Wettbewerb um die Ärzte – wer die besten Rahmenbedingungen bietet, gewinnt. In Österreich werden etwas weniger als 1400 Mediziner im Jahr ausgebildet, bereits jeder zweite fängt aber nicht hier als Arzt zu arbeiten an.

Dazu kommt eine Pensionierungswelle und wesentlich weniger Junge, die nachrücken. Kein Wunder, dass der Ärztemangel bereits in vielen Bereichen massiv spürbar ist. Kalt erwischt die Verantwortlichen offenbar auch eine EU-Arbeitszeitrichtlinie für Spitalsärzte, die bereits seit elf Jahren gültig ist, und die ab 2015 endlich auch in Österreich umgesetzt wird. Wenn die Ärzte nicht mehr – wie derzeit noch – im Durchschnitt sechzig Wochenstunden und 32 Stunden am Stück, sondern „nur“ mehr 48 Wochenstunden und 25 Stunden durchgehend arbeiten dürfen, wird mehr Personal notwendig sein. Personal, das derzeit nicht da ist. Wie man das lösen könnte? Genauso, wie den Ärztemangel generell: Österreich muss im Wettbewerb um die Ärzte konkurrenzfähig werden.