Es ist ruhig geworden im Dorf. Den Greißler gibt es schon lange nicht mehr. Der Polizeiposten ist vor Jahren abgewandert. Das Postamt hat vor kurzem dicht gemacht. Und den „Doktor“ wird es bald auch nicht mehr geben.

Ein übler Scherz? Oder bloß Schwarzmalerei? Mitnichten, sondern traurige Realität! In einigen Gemeinden Oberösterreichs können Ordinationen nicht mehr nachbesetzt werden, die Tendenz steigt. Denn die Bedingungen für einen jungen Mediziner, als praktischer Arzt oder Facharzt in einer Ordination zu beginnen, sind schlechter denn je.

Die Politik macht den Ärzten seit langem das Leben schwer. Sie ignoriert, dass es immer mehr ältere Patienten gibt, für die der Arzt einfach mehr Zeit braucht. Kosten darf das aber nichts. Sie beschließt zwei Spitalsreformen, die bewirken, dass der Patient früher aus dem Krankenhaus entlassen wird, missachtet aber, dass dadurch die Nachsorge beim Hausarzt steigt. Der macht das gerne, aber nicht zum Nulltarif. Und der Gipfel schlechthin: Sie verordnet ein Sparpaket bis 2016, zu dem die Ärzte in den Ordinationen 40 Prozent beitragen sollen, obwohl diese an der überinflationären Kostensteigerung im Gesundheitswesen absolut keinen Anteil haben.

Ganz zu schweigen davon, dass Arbeitszeiten für Hausärzte alles andere als familienfreundlich sind. Ganz zu schweigen davon, dass es für sie das Wort „Überstunden“ nicht gibt und demnach keine Zuschläge bezahlt werden. Keiner anderen Berufsgruppe würde man das zumuten.

Ist der „Doktor“ einmal weg, kommt er nicht mehr so schnell wieder. Das müsste doch die Politik längst aus dem Greißlersterben gelernt haben, oder?