Es gibt zu wenige Ärztinnen und Ärzte. Ganz besonders macht sich das in der Allgemeinmedizin bemerkbar. Immer mehr Kassenstellen bleiben in Oberösterreich trotz mehrmaliger Ausschreibung unbesetzt. Die Zahl der Bewerber sinkt seit Jahren. Für langediente Hausärzte, von denen immer mehr das Pensionsalter erreichen, findet sich immer schwieriger ein Nachfolger oder eine Nachfolgerin. Das ist längst nicht mehr nur in ländlichen Bezirken der Fall, sondern auch in Städten wie Wels und Ried, wo Nachbesetzungen anstehen. Gründe für den Hausärztemangel gibt es mehrere: steigende Belastung durch Bürokratie, viele Bereitschaftsdienste in der Nacht und am Wochenende, ein geringer finanzieller Anreiz bei gleichzeitig hohem Arbeitseinsatz und hohem wirtschaftlichen Risiko für die Ordination samt Angestellten. Dazu kommt die Ausbildung: Die Finanzierung der verpflichtenden Lehrpraxis für den Ärztenachwuchs ist immer noch ungeklärt, dabei haben nur dort Jungmedizinerinnen und –mediziner die Möglichkeit, die schönen Seiten des Berufs kennen zu lernen. Generell müssen sich die Rahmenbedingungen in der Allgemeinmedizin dringend verbessern! Dazu gehört neben der Eindämmung der Formularflut auch mehr Flexibilität des Gesetzgebers bei ärztlichen Kooperationsformen – diese wünschen sich viele Ärztinnen und Ärzte, um ihren Beruf besser mit der Familie vereinbaren zu können. Derzeit verschärft sich die Lage allerdings: Viele Allgemeinmediziner müssen die verwaisten Ordinationen mit Mehrarbeit kompensieren, doch sie werden diese Notlösungen nicht als Dauerzustand akzeptieren können.