Frauen interessieren sich ungebrochen stark fürs Medizinstudium. Der Anteil an Medizinabsolventinnen liegt seit Jahren zwischen 56 und 61 Prozent. Das Weltbild und damit das Frauenbild ändern sich in unserer Kultur. Die Frau in der Medizin trägt große Verantwortung und ist oft hohem Leistungsdruck ausgesetzt. Damit die viel zitierte Work-Life-Balance in der Medizin funktioniert, braucht es allerdings flankierende Maßnahmen, besonders wenn neben dem Arztberuf auch Kinder zu versorgen sind. Speziell für Alleinerziehende entstehen dadurch große Herausforderungen. Hilfreich wären betriebseigene oder betriebsnahe Betreuungseinrichtungen, deren Verfügbarkeit an die Dienstzeiten angepasst ist, das gilt auch für alleinerziehende Väter. Dennoch gibt es zu wenige Ärztinnen und Ärzte – ein Umstand, der nicht an der mangelnden Attraktivität des Berufes liegt, sondern an den geänderten Rahmenbedingungen und der Wertschätzung. Wir mussten enorme bürokratische Arbeitsvolumina wie etwa Codierung, Anträge etc. übernehmen, die berufsfremd sind. Der Fortschritt der Medizin hat deutliche Verbesserungen gebracht, aber zugleich auch die Notwendigkeit, hochkomplexe Behandlungen aus der Notfallsituation fehlerfrei durchzuführen. Schließlich hat auch die Verrechtlichung der Medizin Auswirkungen, hier ist der Gesetzgeber ein enormer Kostentreiber. Umso wichtiger wird es sein, der gesamten Ärzteschaft – gleich, ob Mann oder Frau – künftig wieder mehr Wertschätzung entgegenzubringen und diesen Beruf als das anzuerkennen, was er im Wesentlichen ist: die große Verantwortung, Menschen zu helfen und in vielen Fällen das Leben zu retten.