Steigende Patientenzahlen in Spitälern und Ambulanzen, sinkende Zahl an Ärzten: Jeder kann sich leicht ausdenken, was das bedeutet. Die physische und psychische Belastung ist für viele Spitalsärzte in Oberösterreich unerträglich geworden, der Beruf für junge Mediziner immer weniger attraktiv. Eine Umfrage belegt: Zwei von drei Spitalsärzten können es sich nicht vorstellen, bis zur Pensionierung im Spital zu arbeiten, bei den Jungärzten sind es gar erschreckende 80 Prozent. Die verbliebenen Spitalsärzte sind einem höherem Druck ausgesetzt. Arbeitszeiten mit bis zu 70 Wochenstunden, aufreibende Schicht- und Nachtdienste, extrem lange Dienste und überbordende Bürokratie setzen nicht nur den älteren Ärzten zu, sondern schrecken auch die jungen ab. Sie sind mobil, immer mehr zieht es nach Deutschland oder in die Schweiz. Dort finden sie weitaus bessere Arbeitsbedingungen vor – und verdienen spürbar mehr.

Oberösterreich bekommt den Ärztemangel bereits zu spüren. Viele Ordinationen können nur noch schwer nachbesetzt werden. In den Spitälern sind bereits 120 Stellen frei, die meisten für Turnusärzte. Wartelisten gehören längst der Vergangenheit an.

Wir Ärzte arbeiten gerne. Doch was hilft die beste Einstellung zum Beruf, wenn die Bedingungen denkbar schlecht sind? Politik und Spitalsbetreiber müssen für eine Trendwende sorgen und die Attraktivität des Berufes steigern: Bessere Arbeitsbedingungen schaffen, Ambulanzen entlasten, Stationsassistenten einsetzen, Pflege in die Pflicht nehmen, Gehälter erhöhen.

Besser heute als morgen. Denn sonst zieht es noch viel mehr Ärzte dorthin, wo es ihnen besser geht.