Immer mehr österreichische Ärztinnen und Ärzte haben die Nase voll. Sie sind nicht mehr bereit, die Arbeitsbedingungen in unserem Land zu akzeptieren und wandern aus. Kein Wunder bei extremen Arbeitszeiten, Dauerstress, überbordender Bürokratie, geringen Anfangs- und Grundgehältern. Das Medizinstudium ist eine der teuersten Ausbildungen – bezahlt wird das vom Staat, also letztlich von den österreichischen Steuerzahlern. Und dann lassen wir die jungen Ärzte und Ärztinnen einfach ziehen. Davon profitieren Länder wie Deutschland, die Schweiz oder die skandinavischen Staaten. Sie werben offensiv um unsere Jungärzte und bieten ihnen deutlich bessere Bedingungen. Zunehmend nehmen auch Ältere Angebote im Ausland an. Die Personallücken können nur durch Zuwanderung notdürftig gefüllt werden, etwa von Ärztinnen und Ärzten aus Ungarn, der Slowakei oder Rumänien, aber auch aus dem arabischen Raum. 2012 legten 55 Mediziner aus dem Ausland die verpflichtende Sprachprüfung der österreichischen Ärztekammer ab, 2013 bereits 195, heuer werden es rund 250 sein, Tendenz steigend. In Oberösterreich haben seit 2010 65 Mediziner aus Ländern, in denen nicht deutsch gesprochen wird, zu arbeiten begonnen. Mehr als 600 der 1.380 Medizin-Absolventen haben 2013 nicht in Österreich als Ärztinnen bzw. Ärzte zu arbeiten begonnen. Die Personalengpässe werden auch an den Patientinnen und Patienten nicht spurlos vorübergehen. Die Ausbildungs- und Arbeitsbedingungen müssen sich bei uns dramatisch verbessern, sonst steht Österreich im internationalen Wettbewerb um den Ärztenachwuchs schlecht da.