Kann eine Straße doch noch zur Einbahn gemacht werden oder nicht – das ist die große Frage, die OMR Dr. Helmuth Czekal und seinen Sohn Dr. Dominik Gratzl, beides Allgemeinmediziner in Lasberg derzeit beschäftigt. Denn es fehlen nur 36 Meter bis zur „Sechs-Kilometer-Grenze“, um eine Hausapotheke führen zu können.

Wenn die Einbahn etwas an der Distanz ändert, könnte Dr. Gratzl die Ordination seines Vaters übernehmen und eine Hausapotheke führen. Wird sie nicht bewilligt, wandert er nach Schweden aus. Fällt die Hausapotheke in Lasberg weg, müssten Patientinnen und Patienten nach Freistadt oder gar nach Pregarten fahren.  

Dieser Fall macht deutlich, wie die derzeitigen gesetzlichen Bestimmungen an der Realität vorbeigehen. Klares Ziel der Ärztekammer für Oberösterreich ist es, keine weiteren Hausapotheken zu verlieren. Derzeit sind in Österreich mehr als 200 Hausapotheken gefährdet, in den vergangenen Jahren sind 123 – das sind 13 Prozent – komplett verschwunden. Das hat auch Folgen für die Patientinnen und Patienten, denn für die betroffenen Hausarzt-Praxen findet sich immer häufiger kein Nachfolger mehr.  

Wir Ärzte wollen unsere Patienten optimal versorgen! Aber in Österreich besteht aufgrund der gesetzlichen und administrativen Hürden ein ungünstiges Arbeitsumfeld. Das Aussterben von ärztlichen Hausapotheken soll gestoppt werden und damit auch die weitere Verschlechterung der Versorgung der Landbevölkerung. In topografisch schwierigen Gegenden etwa in der Schweiz sind Hausapotheken selbstverständlich. Aber in Österreich haben wir derzeit keine Rechtssicherheit. Die Bewilligung für die Führung einer ärztlichen Hausapotheke sollte nicht mehr an das Messen von Straßenkilometern gebunden werden (mit allen damit verbundenen absurden Konsequenzen). Wir wollen unbedingt den momentanen Stand der Hausapotheken erhalten, sonst können wir eine flächendeckende Arzneimittelversorgung vor nicht mehr garantieren. Jetzt ist die Politik gefordert!