Stehauf-Menschen

Stehauf-Menschen: So kommt man zu mehr Resilienz

Man kennt diese Menschen, die nichts aus der Bahn zu werfen scheint, man trifft sie gut gelaunt, mit der Welt im Reinen, mal ruhend in sich, mal vor Energie sprühend, die für jedes Problem und Problemchen ohne viel Aufhebens zu machen, eine Lösung oder zumindest eine starke Haltung parat haben. Und es gibt Menschen, die scheinen nahezu resistent gegen Resilienz zu sein. Bei jeder Widrigkeit brechen sie in Tränen aus, tragen den Weltschmerz in sich und haben ein Nervenkostüm wie ein Schmetterling.

Innere Stärke gegen äußere Schwächungen

Es gibt Menschen, die in allem ein Problem sehen, leicht überfordert und permanent gestresst sind und sich mit Schwarzmalerei alles schlecht und aussichtslos reden. Und es gibt Menschen, die nicht problemorientiert, sondern problemlösungsorientiert sind, generell positiv gestimmt und gelassen sind und negative Ereignisse gut be- und verarbeiten. Sie sehen Problemsituationen nicht als Belastung, sondern als Herausforderung und Anreiz zur Lösungsfindung.

Das Rätsel um die psychische Kraft

Kinder, die unter suboptimalen respektive schädlichen Bedingungen aufwachsen müssen und scheinbar unbeeindruckt von schlimmen Situationen zu psychisch starken, selbstbewussten und stressresistenten Menschen heranwachsen, waren schon lange ein Mysterium, in das die Psychologie schwer Einblick gewinnen konnte. Kinder, die beispielsweise in Armut, Arbeitslosigkeit der Eltern, mit Gewalt- und Missbrauchserfahrungen und Tod aufwachsen und sich entgegen aller Erwartung erstaunlich positiv und kompetent entwickeln. Doch woher kommt die nahezu beinahe unlogische Stärke dieser Kinder? Was hält sie gesund? Mit diesen Fragen beschäftigt sich die noch junge Resilienzforschung.

Die Elastizität der Seele

Das englische Wort „resilience” bedeutet Spannkraft/Elastizität und beschreibt die menschliche Fähigkeit, sich an stressauslösende Situationen gut anpassen zu können und durch Rückschläge immer stärker zu werden. Resilienz kann man als eine Art inneres Schutzschild vor äußeren Missständen sehen. Die Psyche greift hierbei aber nicht auf einen Abwehr- oder Verdrängungsmechanismus zurück,  Woher schöpfen sie die Kraft, sich nicht nur weitgehend unbeschadet, sondern sogar gestärkt aus diesen schwierigen Lebensbedingungen zu entwickeln?

Die in der Resilienzforschung anerkannte „Kauai-Studie“ begleitete 40 Jahre lang knapp 700 Kinder aus zerrütteten Verhältnissen, die 1955 auf der hawaiianischen Insel Kauai geboren wurden. Auffallend war, dass sich ein Drittel dieser Kinder psychisch besonders stark und seelisch robust entwickelten und eine Art psychische Schutzfaktoren besaßen, die es Ihnen ermöglichen, schädigende Umstände und normalerweise niederschmetternde Erlebnisse  besser zu verarbeiten als andere.

Situationsflexibel und emotional elastisch - Haben Sie Resilienz?

Resilienz ist keine Krankheit und auch kein Wunder. Nicht die Genetik schreibt die Resilienz, sie ist erlernbar und folgt keinem eindeutigen oder spezifischen Verhaltensmuster. Resilienz ist nicht angeboren, es ist eine Fähigkeit, die Menschen durch unterschiedlichste Krisensituationen erlernen müssen oder können. Abhängig von verschiedenen Zeitpunkten und unterschiedlichen Umständen, varriert ein resilientes Verhalten. Auch grundsätzlich resiliente Menschen sind nicht immer gleich robust, sie können genauso traurig, überfordert und verletzt sein, nur befördern sie Niederschläge nicht auf den Boden, sondern lassen sie wachsen.

Die Voraussetzungen dafür, Resilienz zu entwickeln, sind laut Forschungsergebnissen zwar im Charakter des Menschen verankert, doch wird sie maßgeblich von der Lebensumwelt, Bezugspersonen und einer Ereignischronik geprägt. Von daher ist Resilienz situationsspezifisch und multidimensional und kann nicht durch ein starres Verhaltensmuster erklärt werden. Als ein dynamischer Assimilationsprozess grenzt sich die Resilienz von einer generellen, intrinsischen Invulnerabilität (Unverletzlichkeit), oder emotionale Abgeklärtheit und Gefühlskälte deutlich ab. Ein Kind, das beispielsweise in einem resiliente Kompetenz aufweisen, im sozialen Verhalten aber sehr verletzlich sein. Die Resilienzforschung untersucht die Entstehung und Entwicklung seelische Schutzfaktoren und kann durch ihre Erkenntnisse Kinder, die in psychisch schädliche Situationen geraten sind oder aus Problemfamilien stammen, therapieren und stärken.

Wie charakterisiert man einen resilienten Menschen?

Die gewonnene psychische Stärke bedeutet nicht, dass Probleme ignoriert oder verdrängt werden, es unterstützt vielmehr den Lernprozess und speichert Erfahrungen als seelisches Nachschlagewerk, um in künftigen Problemsituationen angemessen reagieren zu können. Hier zählen auch einfache, alltägliche Stresssituationen und Ärgernisse dazu und das bereichert generelle Bewältigungskompetenzen.

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