Das Weblog von Ärztinnen und Ärzten aus Oberösterreich

Onko-geriatrisches Assessment optimiert die Behandlung von Tumorpatienten

 | 
OA Dr. Hendrik Koller

In höherem Alter nimmt die Wahrscheinlichkeit an Krebs zu erkranken zu. Da ältere Menschen oftmals auch an anderen Erkrankungen leiden, hilft der Befund eines onko-geriatrischen Assessments, die optimale individuelle Krebstherapie zusammenzustellen. Jeder Patient mit Krebs, der über 70 Jahre alt ist, erhält im Ordensklinikum Linz Elisabethinen so ein Assessment, um die Akuttherapie und Nachsorge zu optimieren.

Das onko-geriatrische Assessment findet in der geriatrischen Ambulanz statt. Wir nehmen uns für den Patienten und das Gespräch viel Zeit, um die Gesamtsituation gut darstellen zu können. Ziel dieser vielschichtigen Begutachtung ist es, die medizinischen, funktionellen und psychosozialen Ressourcen und Probleme des Patienten vor einer Operation und/oder belastenden Therapien zu erfassen. Der Geriater führt zu diesem Zweck mit dem Tumorpatienten bestimmte Tests etwa zu Gedächtnis, Muskelkraft, Gehgeschwindigkeit und Gangsicherheit aus. Demenzhinweise und Einsichtsfähigkeit werden geprüft. Abgeklärt werden außerdem Kriterien wie Polypharmazie, Immobilität, Mangel- und Unterernährung, Inkontinenz, Seh- und Hörstörungen, Depressionen und chronische Schmerzzustände. Das Ergebnis ist ein wertvolles Kriterium zur Beurteilung der therapeutischen Belastbarkeit. Wenn vom Geriater für notwendig befunden, werden noch bestimmte Untersuchungen geordert. Der Gesamtbefund ergeht an den behandelnden Spitalsarzt und wird im Tumorboard besprochen. So kann zum Beispiel eine Chemotherapie besser abgestimmt oder überhaupt vermieden werden.

Geeignete Patienten werden, wenn möglich, nach der Akuttherapie vom Department für Akutgeriatrie und Remobilisation im Haus übernommen, dort wieder aufgepäppelt und soweit mobilisiert, dass sie zu Hause ohne oder mit Hilfe wieder gut zurechtkommen. Sollte eine kurative Behandlung aus medizinischer Sicht nicht mehr möglich sein oder der Patient zum Beispiel Maßnahmen wie eine Chemotherapie ablehnen, wird versucht ein individuelles palliatives Setting zu finden. Mit den Angehörigen zusammen wird die bestmögliche Betreuung zu Hause oder in einem Pflegeheim besprochen. Die Überleitungspflege des Krankenhauses hilft bei Kontakten etwa zu mobiler Pflege und Therapeuten.

OA Dr. Hendrik Koller ist Internist und Geriater, Leiter des Departments für Akutgeriatrie und Remobilisation im Ordensklinikum Linz Elisabethinen.

 Ansichten: 682

Alle Blogeinträge

RSS 2.0 RSS Feed abonnieren
 
Kostenloses Abo der human, dem Gesundheitsmagazin für Oberösterreich bestellen: Email mit Name und Adresse an human@aekooe.at
Zum Newsletter anmelden und wichtige Infos erhalten