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Abszess – selber herumdrücken verboten

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24.04.2019
 
Primar Univ.-Doz. Dr. Dr. Wolfram Hötzenecker

Die Haut schützt uns vor Eindringlingen wie Viren, Bakterien und Pilzen. Durch kleine Verletzungen oder bei gestörter Hautbarriere können die Fremdstoffe aber eindringen, zu einer Infektion, Entzündung und in der Folge zu einem Abszess führen. Diese treten am häufigsten in der Haut auf, können aber auch in inneren Organen entstehen.

Definiert sind Abszesse als lokal begrenzte, durch Gewebeeinschmelzung, abgekapselte Eiteransammlungen. Ältere Menschen mit Grunderkrankungen wie Diabetes und alle, die zum Beispiel durch Chemotherapie, Immunsuppressiva oder chronische Erkrankungen immungeschwächt sind, gehören zur Risikogruppe für Abszesse. Aber auch Jugendliche mit Akne können eine Superinfektion mit Abszessbildung bekommen. Hygiene ist sehr wichtig, um sich vor Keimen zu schützen.

Oberflächliche Abszesse sind durch klassische Entzündungszeichen wie Rötung, Schwellung und starke Druckempfindlichkeit gekennzeichnet. Die Eiterbeule lässt sich unter der Haut an der weiß-gelblichen Farbe erkennen. Wer bei Abszessen im Gesicht herumdrückt, kann die Situation verschlimmern. Wenn Eitererreger ins Gehirn transportiert werden, können sie dort eine Hirnhautentzündung hervorrufen.

Entzündet sich ein Haarbalg in der Haut eitrig, nennt man das im Fachjargon Furunkel. Man findet Furunkel vor allem in Achselhöhlen, im Gesicht, Nacken und Intimbereich. Auch Analabszesse sind nicht selten, genauso wie Abszesse nach bakterieller Zahnentzündung oder Wurzelbehandlung. Bei mangelnder Hygiene und Desinfektion vor dem Stich kann es zu einem Spritzenabszess kommen.

Durch feuchte, heiße Umschläge oder Auflegen einer Zugsalbe kann man dem Hautabszess beim Reifen helfen. Entleert sich ein oberflächlicher Abszess nicht spontan selbst, Finger weg. Nicht herumdrücken, sondern zum Hausarzt oder Dermatologen. Der Mediziner behandelt den Abszess nach Lage, Ausdehnung und Tiefe. Oftmals reichen eine lokale Vereisung und ein kleiner Schnitt, damit der Eiter abfließen kann. Das entzündete Gewebe wird entfernt, die Wunde gesäubert und gespült. Die Wunde heilt meist offen, damit sich kein neuer Abszess bilden kann. In vielen Fällen werden zusätzlich Antibiotika verordnet. Sind Organe wie Leber, Lunge, Nieren oder die Bauchhöhle betroffen, fühlt sich der Patient vielleicht abgeschlagen, hat Fieber, Kopf – und Gliederschmerzen. Diagnostiziert werden diese Eiterhöhlen mit Ultraschall, MRT- oder CT-Untersuchungen und Blutlabor. Abszesse im Inneren sind zum Beispiel Komplikation nach Gallen- und Lungenentzündung oder nach Operationen und werden meist chirurgisch eröffnet.

Bei optimaler Behandlung heilen Abszesse meist ohne Probleme ab. Ein gesundes Immunsystem ist die beste Vorbeugung.

Primar Univ.-Doz. Dr. Dr. Wolfram Hötzenecker ist Vorstand der Klinik für Dermatologie und Venerologie im Kepler Universitätsklinikum Linz

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