Das Weblog von Ärztinnen und Ärzten aus Oberösterreich

Optimales Blutmanagement zur Verhinderung und Behandlung von Anämien

Primar Univ.-Prof. Dr. Jens Meier

Blut besitzt eine Vielzahl unterschiedlicher Funktionen für den menschlichen Körper. Die wahrscheinlich bekannteste ist der Transport von Sauerstoff aus der Lunge in die Gewebe. Hierfür sind die roten Blutkörperchen, die sogenannten Erythrozyten zuständig. Da jeder Erythrozyt nur eine begrenzte Menge Sauerstoff aufnehmen kann, ist für eine adäquate Sauerstoffversorgung der Gewebe eine ausreichende Anzahl an Erythrozyten notwendig. Im klinischen Alltag wird dies über die Hämoglobinkonzentration (Hb) gemessen, wobei ein Hb-Wert von 13-15 g/dl als normal gelten kann. Hat ein Patient einen zu niedrigen Hb-Wert, leidet er an einer sogenannten "Anämie", dann kann im Extremfall ein für die Sauerstoffversorgung des Organismus gefährlicher Zustand entstehen.

Im Rahmen der unterschiedlichsten Erkrankungen und Operationen treten Anämien bei Patientinnen und Patienten sehr häufig auf. Bis vor kurzem wurden Anämien im klinischen Umfeld hauptsächlich durch die Transfusion von Fremdblutkonserven behandelt. Allerdings ist dies mit relevanten Risiken und Nebenwirkungen verbunden. Aus diesem Grund wurde innerhalb der letzten zehn Jahre das Konzept des "Patient Blood Managements" (Patienten Blut-Management) entwickelt. Die Idee dahinter ist, eine Anämie nicht als behandlungsbedürftige Tatsache zu betrachten, sondern vor allem im klinischen Umfeld bestmöglich darauf zu achten, Anämien zu vermeiden. Hierzu gehört neben der Reduktion von unnötigen Blutverlusten auch die Ausnutzung der Fähigkeit des Körpers selbst Erythrozyten zu produzieren, was durch die Gabe von Eisen und/oder Erythropoetin unterstützt werden kann. Im Rahmen einer großen australischen Studie konnte nachgewiesen werden, dass durch ein "Patient Blood Management" landesweit die Mortalität in Krankenhäusern zurückgegangen ist. Aus diesem Grund ist es wichtig, die Maßnahmen dieses Blutmanagements für Patienten auch in Österreich vermehrt anzuwenden.

Primar Univ.-Prof. Dr. Jens Meier ist Vorstand der Klinik für Anästhesiologie und Intensivmedizin im Kepler Universitätsklinikum Linz

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