Ärzteblog

10.07.2018 /  Augenkrankheiten , Babys - Kinder - Jugendliche  / Redaktion gesund-in-ooe.at

Schielen bei Kindern muss früh abgeklärt werden

Dr. Elke Schmidbauer

Schielen bei Kindern muss abgeklärt werden, denn es ist mehr als ein kosmetisches Problem. Etwa fünf bis zehn Prozent der Bevölkerung schielen. Normalerweise sehen beide Augen in die gleiche Richtung und fixieren ein Objekt. Dabei entsteht in jedem Auge ein geringfügig unterschiedliches Bild, das im Gehirn zu einem einzigen dreidimensionalen Seheindruck wird. Beim Schielen, in der Fachsprache Strabismus genannt, weicht ein Auge von der Blickrichtung ab. Entweder es schielt immer das gleiche Auge oder die Augen wechseln einander ab. Ist der Schielwinkel so minimal, dass es kaum auffällt, spricht man von Mikrostrabismus. Die Diagnostik und Therapie von Schielenden führen an der Kepleruniversitätsklinik Orthoptistinnen, die eine dreijährige Ausbildung an einer Fachhochschule haben, aus. Sie arbeiten mit dem Augenarzt im sogenannten Eye-Care-Team zusammen.

Schielen kann sehr früh auftreten und kommt familiär gehäuft vor. Eine Frühgeburt erhöht das Risiko. Bis zum vierten Monat ist das Schielen unbedenklich. Ab dann beginnt das Baby bewusst zu fokussieren. Wenn dabei ein Schielen auffällt, muss es abgeklärt werden. Im Mutter-Kind-Pass sind zwei Untersuchungen der Augen bis zum zweiten Lebensjahr enthalten. Diese sollen unbedingt wahrgenommen werden. Wird das Schielen nicht behandelt, kann es sein, dass das Kind das Sehen auf einem Auge nicht lernt, denn das Gehirn schaltet das schwache, schielende Auge aus, um dem Kind Doppelbilder zu ersparen. Werden keine Gegenmaßnahmen ergriffen, bleibt die Amblyopie, die Schwachsichtigkeit auf einem Auge, für immer bestehen.

Je nach Schielursache, werden dem Kind Brillen angepasst und/oder eine Okklusionstherapie begonnen. Okklusion heißt, dass das sehstarke Auge mit Spezialpflastern oder Folien zugeklebt wird, um das schwache Auge zum Sehen zu zwingen. Diese Therapie wirkt auf die Entwicklung der Sehstärke, beeinflusst aber den Schielwinkel nicht. In einer Operation kann dieser Winkel verkleinert und die Fehlstellung der Augen verbessert werden. In einem minimalinvasiven Eingriff werden tagesklinisch, in Vollnarkose, Augenmuskeln verlagert. Dadurch ändert sich die Stellung der Augen zueinander.  

Dr. Elke Schmidbauer ist Ärztin in der Klinik für Augenheilkunde, Sehschule am Kepler Universitätsklinikum Linz.

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13.06.2018 /  Umwelteinflüsse und Gesundheit , Chirurgie - Operationen - Organe , Medizintechnik: Röntgen, Mikroskop & Co  / Redaktion gesund-in-ooe.at

Jeder dritte Österreicher hat einen Schilddrüsenknoten

OÄ Dr. Larisa Imamovic

Knoten in der Schilddrüse sind häufig. Etwa ein Drittel der Österreicherinnen und Österreicher hat einen oder mehrere Knoten in der Schilddrüse, eine sogenannte Struma nodosa oder im Volksmund einen „Kropf“. Die morphologische Beurteilung der Schilddrüse erfolgt mittels Ultraschall. Neben der Bestimmung von Größe, Lage, Schallreflexion und Durchblutung des Organs, wird besonderes Augenmerk auf Vorhandensein von Schilddrüsenknoten gesetzt. Häufige Symptome durch Knoten sind Druckgefühl am Hals, Schluckbeschwerden, Heiserkeit, Hustenreiz, Atemnot oder sichtbarer Knoten im Hals. Jeder Schilddrüsenknoten bedarf einer Abklärung. Ein plötzliches Auftreten eines Knotens spricht meist für eine Einblutung in eine Schilddrüsenzyste. Suspekt sind vor allem einzelne, echoarme Knoten mit irregulärer Begrenzung, vermehrter Durchblutung und Kalkeinlagerungen, sowie Knoten, die eine rasche Wachstumstendenz zeigen.

Die Schilddrüsenszintigrafie erlaubt eine Beurteilung der Lage und der Funktion. Mit Hilfe der Szintigrafie kann zwischen „kalten“ und „heißen“ Knoten differenziert werden. Die „heißen Knoten“ oder autonome Adenome sind sehr selten bösartig. Bei „kalten Knoten“ beträgt die Wahrscheinlichkeit der bösartigen Entartung zwischen drei und zehn Prozent. „Kalte Knoten“ mit einem Durchmesser größer als zehn Millimeter werden mittels Feinnadelbiopsie (FNA) abgeklärt. Bei positiver FNA wird die Schilddrüse operiert. Bei negativer FNA erfolgen unter Risikoabschätzung regelmäßige Kontrollen. Die Therapie der Schilddrüsenknoten ist vielfältig. Sie reicht von diätetischen Maßnahmen, Schilddrüsenhormontabletten (Entlastungsmedikation), Jodzufuhr bis hin   zu Radiofrequenzablation und Operation.

Bei differenzierten Schilddrüsenkarzinomen, die die Mehrheit ausmachen, wird im Anschluss an die Operation eine sogenannte Mega-Radiojodtherapie stationär auf einer nuklearmedizinischen Abteilung durchgeführt. In Oberösterreich ist diese Therapie nur im Ordensklinikum Linz Barmherzige Schwestern möglich. Die Heilungschancen bei differenzierten Schilddrüsenkarzinomen sind gut. Die Zehn-Jahres-Überlebensraten betragen 80 bis 90 Prozent. Beim seltenen medullären Schilddrüsenkarzinom ist die Operation mit Lymphknotenentfernung angezeigt. Wenig differenzierte Schilddrüsenkarzinome sind sehr selten und haben eher eine schlechtere Prognose.  

OÄ Dr. Larisa Imamovic ist Fachärztin für Nuklearmedizin an der Abteilung für Nuklearmedizin & Endokrinologie im Ordensklinikum Linz Barmherzige Schwestern und hat eine Wahlarztpraxis in Linz.

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