Ärzteblog

05.07.2017 /  Infektionen - Krankheitserreger - Reisekrankheiten , Schmerzen , Allergie und Unverträglichkeiten , Umwelteinflüsse und Gesundheit  / Redaktion gesund-in-ooe.at

Erste Hilfe bei Vernesselung durch Quallen

Prof. DDr. Martin Haditsch

Mancher erlebte vielleicht schon selbst, dass Strände wegen Quallenalarms gesperrt wurden. In den allermeisten Fällen verlaufen die Vernesselungen harmlos. In der Nord- und Ostsee, im Mittelmeer und Roten Meer begegnet man zum Beispiel Feuerquallen häufig. Sie besitzen giftige Nesselkapseln, die auf der Haut schmerzende Rötungen, Schwellungen und Blasen sowie ein Jucken hinterlassen. Es fühlt sich an, wie der Kontakt mit Brennnesseln. Die Beschwerden klingen meist rasch wieder ab. Bei empfindlichen Personen und nach wiederholtem Kontakt können aber auch heftige allergische Reaktionen mit Herz-Kreislauf-Störungen bis zum Kollaps auftreten.

Auch die Seeanemone gehört zu den Nesseltieren und kann mit ihren Nesselfäden Rötung, Brennen, punktförmige Blutungen, eventuell Blasen und starken Juckreiz auslösen. Gefährliche Vernesselungen mit Würfelqualle oder der erdnussgroßen Carukia-barnesi Qualle (Irukandji) werden insbesondere aus Australien, dem Indischen Ozean, Südpazifik und Hawaii berichtet.

Erste Hilfe bei Vernesselungen:

  • Sofort aus dem Wasser, um der Gefahr des Ertrinkens vorzubeugen. Wenn nötig den Kreislauf stützen.         
  • Die Wunde auf keinen Fall mit Süßwasser spülen, denn so werden die giftigen Nesselkapseln, die im anhaftenden Schleim sind, aktiviert und platzen auf der Haut. Man kann die verbliebenen Nesselkapseln etwa mit Rasierschaum oder Essig, den man auf die Haut aufträgt, inaktivieren. Warten bis alles trocken ist und dann die Kruste etwa mit einer Kreditkarte abschaben. Danach die Haut mit Essigkompressen und Eiswickel zur Schmerzlinderung kühlen und viel Wasser trinken. Lässt der Schmerz nach mehr als einer Stunde nicht nach, ein antiallergisches Medikament nehmen oder die Haut mit Brand- oder antihistaminhaltiger Salbe einreiben.        
  • Treten Schwindel, Übelkeit oder Atemnot auf, sofort zum Arzt.       
  • Neueste Ergebnisse zeigten, dass die im Nesselgift enthaltenen Toxine hitzeempfindlich sind. Man kann probieren, die vernesselte Extremität bis zu 20 Minuten lang in maximal 42 Grad heißes Wasser zu tauchen. Nicht heißer, sonst drohen Verbrühungen. Diese Methode ist noch umstritten.

Vorbeugende Maßnahmen         

  • Eventuell dünnen Neoprenanzug anziehen. Schwimm-oder Taucherbrille bieten guten Gesichtsschutz gegen Quallen. T-Shirts sind kontraproduktiv, weil sich darin Quallen verhängen können.   
  • Es gibt eine Kombination von Sonnenschutzmittel und einem Wirkstoff, der vor Quallenverbrennungen schützt. Das Kombipräparat muss auf die gesamte Haut aufgetragen werden, auch unter der Badehose und dem Badeanzug.  
  • Auch tote, angespülte Tiere können noch Läsionen erzeugen.    

Prof. DDr. Martin Haditsch ist Facharzt für Hygiene, Mikrobiologie und Tropenmedizin sowie Reisemediziner, der in Linz-Leonding ein Travel Med Center leitet.

weiterlesen
23.06.2017 /  Babys - Kinder - Jugendliche , Ernährung - Gewicht - Verdauung - Stoffwechsel , Chirurgie - Operationen - Organe  / Redaktion gesund-in-ooe.at

Chronisch entzündliche Darmerkrankungen beginnen in jungen Jahren

Dr. Axel Hiebinger

Chronisch entzündliche Darmerkrankungen (CED) nehmen in Europa zu und unterteilen sich in Morbus Crohn und Colitis Ulcerosa. Leitsymptome sind mehrwöchige chronische Durchfälle – bis zu 20 am Tag – begleitet von Bauchkrämpfen, Müdigkeit, Gewichtsverlust, Leistungsabfall und Anämie, die schubweise auftreten. Die Patienten sind seelisch belastet, mancher gerät in soziale Isolation oder wird depressiv.

Die Ursachen sind multifaktoriell und noch nicht genau geklärt. Neben einer genetischen Komponente scheinen das Ernährungsverhalten und die Immunlage eine Rolle zu spielen. Rauchen erhöht das Risiko für Morbus Crohn, bei der Colitis Ulcerosa scheint es das Risiko dagegen zu verringern, was aber kein Freibrief für das Rauchen ist. Der Altersgipfel des Auftretens liegt zwischen 16 bis 30 Jahren. Aber auch Kinder sind schon betroffen. Weil sich in Laborbefunden oft keine konkreten Hinweise auf die Erkrankung ergeben, sind Darmspiegelung, Ultraschall, CT oder MRT-Untersuchungen nötig. Auch die Stuhldiagnostik auf das Protein Calpotrectin, ein Marker für die Entzündung der Darmschleimhaut, ist sinnvoll.

Die beiden Erkrankungen zeigen Unterschiede: Bei Morbus Crohn können von Mund bis zu After sämtliche Bereiche des Verdauungstraktes von der Entzündung betroffen sein, die tief in alle Darmwandschichten hineinreicht. Als Komplikation kann es etwa zu Abszessen und Fisteln kommen.

Bei Colitis Ulcerosa ist die Entzündung auf den Dickdarm und die Schleimhaut begrenzt. Die Durchfälle können schleimig und blutig sein. Entzündungen der Augenhaut oder Gelenke können dazu kommen. Bei langem Krankheitsverlauf haben Colitispatienten ein erhöhtes Risiko für Dickdarmkrebs.

Frühe und konsequente individuelle Therapie ist angezeigt, um die Entzündung zu eliminieren und die beschwerdefreien Phasen zu verlängern. Heilung gibt es bis heute keine. Therapiert wird je nach Schwere und Ausdehnung mit entzündungshemmenden Mitteln und Immunsuppressiva. Bei schweren Schüben wird kurzzeitig Cortison verordnet. Greift die konventionelle medikamentöse Therapie nicht ausreichend, stehen Biologicals zur Verfügung. Auch eine Operation der betroffenen Darmabschnitte kann bei Fisteln, Abszessen, Darmverschluss, Blutungen oder Darmdurchbruch nötig werden. Bei Colitis Ulcerosa wird die Sinnhaftigkeit einer Stuhltransplantation zur Veränderung des Mikrobioms im Darm diskutiert.  

Dr. Axel Hiebinger leitet die Ambulanz für CED und ist Oberarzt auf der Klinik Interne 2 am Kepler Universitätsklinikum Linz.

weiterlesen

Standpunkt

Einmalige Erfolgsstory des Mutter-Kind-Passes

Der Mutter-Kind-Pass trägt entscheidend dazu bei, dass Krankheiten, Fehlbildungen und Entwicklungsstörungen möglichst früh erkannt und behandelt werden. Er beinhaltet eine Fülle kostenloser ärztlicher Untersuchungen während der Schwangerschaft. Denn Vorsorge ist besser als Heilung.

weiterlesen
Kostenloses Abo der human, dem Gesundheitsmagazin für Oberösterreich bestellen: Email mit Name und Adresse an human@aekooe.at
Zum Newsletter anmelden und wichtige Infos erhalten